CwL#1- Über Sinnfluencer mit Astrid Kiss

CwL#1- Über Sinnfluencer mit Astrid Kiss

Hey! Und herzlich willkommen bei der ersten Kaffeerunde mit mir, Lou. Mit dabei ist heute die liebe Astrid, oder auch bekannt unter @wienerkind_ auf Instagram. Das Thema heute: Sinnfluencer! Schnapp dir nen´ Kaffee und viel Spaß!

Astrid, toll das du dabei bist, ich freue mich! Heute soll sich alles rund ums Thema „Sinnfluencer“ drehen und da sind wir bei dir ja an der richtigen Adresse. Magst du dich einmal kurz Vorstellen?

Astrid Kiss

Mein Name ist Astrid, ich bin Schauspielerin & Drehbuchautorin, arbeite im Social Media Marketingbereich und bin begeisterte Ringana Frischepartnerin.

Obwohl ich aus Wien und ein Stadtkind bin, brauche ich sehr viel Zeit in der Natur. Dort kann ich sehr schnell Ausgleich finden. Außerdem ist Musik sehr wichtig für mich, Familie, Freunde, Fotografie, Kunst & Kabarett. Ich liebe es mich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen und bin ein großer Fan von Ernährung und ihrer Wirkung auf unseren Körper.

Das sind total schöne, kreative Hobbys!

Der Begriff „Influencer“ wird höchstwahrscheinlich jedem ein Begriff sein aber „Sinnfluencer“? Naja, wie der Name schon sagt, geht es irgendwie mehr um den Sinn hinter dem influencen. Aber was genau ist denn in diesem Zusammenhang ein Sinn?

Astrid, was würdest du sagen, unterscheidet Sinnfluencer von Influencern genau?

Mein ganz persönlicher Anspruch an mich selbst lautet einfach: hat das, was ich poste für jemanden Mehrwert? Ich persönlich finde, es sollte über die reine Selbstdarstellung hinausgehen und mehr Sinn haben, als einen Menschen zu einem unmotivierten Kauf zu bewegen. Viele Sinnfluencer, mich eingeschlossen, verfolgen auch gar nicht unbedingt das Ziel, mit ihrem Auftritt Geld zu verdienen, sondern einfach etwas zu bewegen bzw. verändern.

Ich glaube der Punkt mit der Selbstdarstellung ist ganz wichtig und auch mit ausschlaggebend. Bei Sinnfluencern steht nicht das äußere der Person selbst im Vordergrund, sondern die Message, die derjenige seinen Followern mitgeben möchte. Dann besteht der Instagram Feed eben auch nicht nur aus Selfies, gestellten Bildern und Kooperationen, sondern irgendwie mehr aus natürlichen, lebensnahen Bildern.

Irgendwie verbinde ich das Wort mit jemandem, der sich für Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit, Ernährung usw. interessiert und gleichzeitig auch ein bisschen zeigt, wie man die Welt ein Stück weit besser machen kann und was alles so schief läuft. Jemand, der uns auch Inspiration und Ideen gibt, zum Beispiel mit veganen Gerichten und Alternativen.

Wie siehst du das, was ist deine Definition?

Ich sehe das nicht unbedingt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit oder „Greenfluencer“. Für mich ist die Definition recht simpel: Ein Sinnfluencer ist jemand, der seinen Einfluss für etwas Sinnvolles nutzt und das kann Vieles sein.

Was genau bedeutet in dem Zusammenhang für dich Sinnvoll?

Sinnvoll ist für mich etwas ganz individuelles. Was für mich Sinn macht, muss für jemand anderen nicht unbedingt sinnvoll sein. Oder vielleicht nicht in diesem Augenblick sinnvoll.

Ja „sinnvoll“ ist ja auch ein unendlicher Begriff.

Ich bin total glücklich darüber, dass es so viele Sinnfluencer gibt, die auf ihre ganz eigene Art, ganz unterschiedliche Themen behandeln, die für sie wichtig bzw. sinnvoll sind. Sei es Menschen dazu zu bewegen in die Natur zu gehen, so wie Sabrina von BeRoSa go Green oder ein Mülltagebuch zu führen wie Vivienne von Vanilla Holica oder Minimalismus in die Tat umzusetzten wie Jana von Janaklar.

Es kann aber auch bedeuten, jemanden zum Sport zu motivieren, seine Geschichte über Hautkrankheiten zu teilen, politische Themen zu thematisieren and so on, die Liste ist endlos lang. Und das ist gut so:)

Das stimmt. Ich finde gerade in den letzten Jahren hat sich wirklich wie so eine zweite Welt auf Instagram gebildet, womit der begriff Sinnfluencer ja auch erst entstanden ist. Ich nenne es immer „Das grüne Instagram“.

Und wo du gerade Politik erwähnst… Ich finde durch Social Media wird den Menschen das Thema viel „entspannter“ und auch „cooler“ nahe gebracht. Ich habe immer Politikunterricht gehasst, einfach weil ich es unglaublich monoton fand. Aber durch den Content von Diana von Dianazurloewen habe ich irgendwie wieder Lust bekommen, mich mehr damit zu beschäftigen bzw. das Ganze zu verfolgen. Durch ihre unglaublich lässigen Posts, mit coolen Outfits und informativen Texten fühlt es sich auch nicht mehr so nach „Erwachsenenkram“ an.

Je älter ich wurde, desto mehr habe ich mich zu dieser grünen, bewussten Community hingezogen gefühlt und je mehr ich mir diesen Content angeschaut habe, desto mehr hatte ich das Verlangen nach Veränderung in meinem realen Leben. Man gerät quasi in einen Fluss aus Informationen, Denkanstößen und Hintergrundwissen. Man wird sich seinem Leben viel mehr bewusst.

Mittlerweile bestehen meine Abos zu 90% aus Sinnfluencern und Bloggern, die über Nachhaltigkeit und Veganismus posten. Wie oben schon erwähnt, haben die Beiträge einfach Mehrwert und ich scrolle interessiert durch Instagram und nicht nur Gedankenlos um auf dem neusten stand zu sein.

Gerade bin ich auf diesen „Fluss“ gekommen… Ich stelle mir gerade vor, dass ein 11 Jähriger Mensch auf Instagram die Beiträge von den berühmten Influencern sieht und in den gleichen Fluss gerät… Nur halt eben auf der anderen Seite… Das muss ja ganz schrecklich sein. Ich meine, entstehen dann nicht so wünsche wie „MÄC Lippenstift xy, Designer Tasche x, die neuen Nike Sneaker“… ?

Das sind ja alles wünsche, die sich im Normalfall für einen so jungen Menschen nicht erfüllen lassen, zumindest nicht zeitnah.

Wie unzufrieden muss das denn bitte machen?!

Das ist halt auch eine Sache, die ich an diesem umweltbewussten Content so gerne mag… Man kann so leicht und schnell etwas verändern, sieht Fortschritte und wird dadurch schnell zufriedener.

Astrid, was machst du denn eigentlich so Privat oder Zuhause um Nachhaltiger und Umweltbewusster zu leben?

Ich ernähre mich vegan und konsumiere sehr viel Second Hand (Kleidung, Elektronik, Kleinkram etc.) wegschmeißen ist mein letzter Ausweg. Ich versuche Dinge, die ich nicht mehr brauche weiterzugeben. Außerdem verwende ich ausschließlich Naturkosmetik von Ringana. Ich versuche natürlich mit Strom und Wasser möglichst sparsam umzugehen, trenne meinen Müll und versuche grundsätzlich die Lebensdauer all meiner Besitztümer so lang wie möglich zu gestalten.

Ich mache vieles ähnlich, und kann sagen, dass das überhaupt nicht schwer oder einschränkend ist. Gerade Second Hand shopping ist total mein Ding!

Was meinst du, muss jeder Sinnfluencer Vegan und/oder fair Leben oder kann auch jemand der Fleisch isst und fast Fashion kauft sich berechtigt Sinnfluencer nennen?

Jeder noch so kleine Beitrag hilft uns allen ein Stück weit näher ans Ziel zu kommen. Also Ja!

Da muss ich an ein Bild denken, dass ich letztens gesehen habe. Und zwar ging es darum, dass jemand denkt: „Ja, wenn ich jetzt vegan werde macht das auch keinen unterschied“. und darunter Stand:

— Denken 1 Millionen Menschen.

Ich finde die allergrößte Gefahr besteht darin sich gegenseitig anzufeinden und zu kritisieren, denn zu so einer Gruppe möchte niemand dazu gehören. Wir sollten uns gegenseitig bestärken und motivieren. Das war auch der Grund für die Entstehung unserer Sinnfluencer Gruppe. Wir wollten uns vernetzen, gegenseitig unterstützen und stärken. Denn so kann man viel mehr bewirken. Ich werde niemals jemanden für Nachhaltigkeit begeistern können, wenn ich ihn immer nur kritisiere. Und wenn wir ehrlich sind, Niemand kann alles richtig machen. Das ist schlichtweg nicht möglich.

Da gebe ich dir absolut recht! Meine bisherige Erfahrung ist, dass die Sinnfluencer Community viel toleranter und vor allem weniger verurteilend ist. Natürlich gibt es immer mal wieder einen Besserwisser, aber ohne die wäre es ja auch furchtbar langweilig!:p

Ich finde es auch total schön, wie auf Kommentare eingegangen wird, Fragen beantwortet werden und so viel hinterfragt wird. Es gibt kaum Neid und Hass.

Das sind wirklich Momente, die mir Motivation geben mich, als noch relativ kleinen Account, weiter durchzuboxen.

Astrid, wie vertrittst du denn das Wort „Sinnfluencer“ auf deinem Account?

Meine Devise lautet: jeder noch so kleine Beitrag kann etwas bewirken.

Ich möchte einen bewussten Lebensstil fördern, es zugänglicher machen, umweltschonend zu leben, nachhaltige Themen verständlich darstellen und einfach mit Leichtigkeit an das Thema rangehen und die Schwere da ab und zu rausnehmen.

Außerdem ist mir das Thema mentale Gesundheit ein riesiges Anliegen und auch das behandle ich sehr stark.

Oh ja, mentale Gesundheit ist gerade in der heutigen Zeit ein so wichtiges Thema, alleine schon aus dem Grund, dass sie immer mehr gefährdet ist. Alleine schon der Druck und das streben nach Perfektion kann einen kaputt machen.

Da ist es wichtig, dass so einflussreiche Seiten wie deine auch diese Themen ansprechen dürfen und die Leuten einfach mal wieder auf den Boden holen, die Realität vor Augen führen und zeigen was wirklich glücklich macht.

Social media kann wirklich viele Selbstzweifel hervorrufen aber ich habe auch schon von vielen gehört, dass sie durch ihren Blog oder die Beiträge anderer, neue Seiten an sich selbst kennengelernt haben.

Gibt es etwas, was dich am klassischen Influencer im Allgemeinen stört?

Ich würde mir einfach wünschen, dass nicht das Geld verdienen allein im Vordergrund stehen muss. Dadurch dass wir online ständig neue Produkte präsentiert bekommen, entstehen einfach, in leider immer kürzeren Abständen, künstliche Bedürfnisse, die vorher gar nicht da waren. Sei es ein neues paar Schuhe oder die Reise nach Dubai. Da liegt für mich die größte Gefahr begraben. Denn so entsteht einfach immer mehr Potenzial zum unglücklich sein. Vergleich ist pures Gift.

Die künstlichen Bedürfnisse sind ein interessanter Punkt!

Ich würde mir außerdem wünschen, dass Menschen mit einer großen Reichweite, seien es Musiker, Schauspieler oder Influencer ihren Einfluss, zumindest zeitweise für wichtige Themen nutzen. Denn ich finde sie haben eine unglaublich große Verantwortung durch ihre Vorbildwirkung. Sie könnten so viel Positives bewirken!

Aber gibt es auch Momente, in denen du dich von der Community unter Druck gesetzt fühlst? Z.b das du nicht nachhaltig genug lebst ?

Ich halte nichts davon mich zu vergleichen. Würde ich so an die Sache rangehen, kann ich nur verlieren, denn ich werde immer Sachen falsch machen und es wird immer Menschen geben, die Dinge besser machen oder können als ich. Für mich gilt:

Ich mache das, was sich für mich richtig anfühlt und was in meiner Macht steht. Da bleib ich ganz bei mir.

Das is mal n´ Statement!


So, ich denke wir sind am Ende, Kaffee ist leer.

Ein riesen großes Dankeschön an Astrid für die Zeit, die du dir genommen hast. Es war schön mit dir zu quatschen!

Und danke auch an dich, dass du bis hierhin gelesen hast, ich hoffe du bist beim nächsten mal wieder dabei! Die Einladung bekommst du wieder auf Instagram 🙂

Bis dahin,

Lou

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