Wie nachhaltig sind Blumen?

Wie nachhaltig sind Blumen?

Sind Blumen wirklich so nachhaltig, wie es im ersten Moment scheint? Unter welchen Bedingungen Schnittblumen angebaut werden und welcher Schatten über diesem Markt liegt erfährst du hier.

Blumen bringen Leben in das Zuhause, sie sind ein echtes Wunder mit den intensiven Farben, dem Geruch und den verschiedenen Arten. Außerdem sind sie ein tolles Geschenk in beinahe allen Situationen und geben dem Gegenüber ein gutes Gefühl. Nie habe ich deren Nachhaltigkeit angezweifelt aber leider sieht die Realität nicht so rosig aus. Also, wie nachhaltig sind Blumen?

Doof, wenn mittlerweile auch aus sowas natürlich schönem ein Markt geworden ist, der teilweise Ausbeutung, Gift, Manipulation und eine Menge co2 beinhaltet.


Nirgendwo in Europa werden so viele Blumen verkauft wie in Deutschland. Ca. 37 Euro Pro Jahr gibt jeder Mensch durchschnittlich für sie aus, aber kaum jemand hinterfragt den Strauß, den er da verschenkt. Wahrscheinlich ist er schon einmal um die halbe Welt geflogen und wurde von Arbeitern gepflückt, die einen Lohn bekommen, der nicht mal ihre Existenz sichern kann.

Bei ganzen Blumensträußen, die es im Supermarkt schon für 1,99€ gibt, spricht der Preis schon dafür, das Fairness und Nachhaltigkeit wortwörtlich auf der Strecke geblieben sind.

Auch hier Konsumiert die Gesellschaft gedankenlos und ohne sich über die Folgen bewusst zu sein. So wird aus den wunderschönen Blumen eine Massenware die sich negativ auf die Umwelt auswirken kann.

Wo kommen die Schnittblumen denn eigentlich her?

Das Blumengeschäft ist ein sehr undurchsichtiges, weil die Vertriebswege so verzweigt sind, dass häufig selbst die Blumenhändler nicht wissen wo genau die Blumen gezüchtet wurden, wie viel Wasser, Dünger und Pestizide eingesetzt wurden und wie die Arbeitsbedingungen vor Ort sind.

Nur 20% der in Deutschland verkauften Blumen wurden auch tatsächlich hier angebaut, der Rest stammt hauptsächlich aus Kenia, Äthiopien, Ecuador und Kolumbien.

Fast alle konventionell angebauten Blumen treffen sich auf dem Weltweit größten Blumenauktionsparkett in den Niederlanden, Aalsmeer. Hier werden täglich 20 Millionen Blumen verkauft, davon sind knapp 50% Rosen. Durch die Masse ist die Herkunft kaum nachvollziehbar.

Klimakiller Rose:

Vor allem die liebste Blume der Deutschen, die Rose, sollten wir uns genauer anschauen.

47% des Blumengeschäfts werden mit Rosen gemacht. Sie stammen hauptsächlich aus Kenia wo sie in der Nähe vom Naivasha See wachsen. Dort sind die Vorraussetzungen, nämlich VIEL Wasser und Wärme, besonders gut erfüllt.

Es gibt anspruchsvolle Blumen, weniger anspruchsvolle und es gibt: Rosen.

Die Blumenart, die ich Klimakiller nenne. Zu recht wie ich finde, denn nur mal so nebenbei: Eine einzige ostafrikanische Rose braucht ganze 7-13 Liter Wasser. Manche Menschen in Afrika müssen mit 20 Liter Wasser pro Tag auskommen.

Für die meisten Menschen ein Zeichen der Liebe, für die Erde, in dem Ausmaß wie der Mensch sie Konsumiert, das Gegenteil. Leider sind Rosen ein Massenprodukt geworden, wodurch der Wasserspiegel des Naivasha-Sees so stark gesunken ist, dass er während der Trockenzeit droht auszutrocknen. Das hätte verheerende Folgen für die lokale Bevölkerung, Kleinbauern und das Ökosystem. Außerdem ist das Wasser extrem mit Nitraten und Pestiziden belastet.

Rosen wachsen in Monokulturen. In einem einzigen Gewächshaus wachsen bis zu 3 Millionen Stiele und da sich dort schnell Krankheiten und Schädlinge verbreiten, wird die ganze Sache noch mal ordentlich mit Pestiziden gewürzt. Pro Hektar mal gut und gerne mal 200kg, was auch geschieht wenn sich Arbeiter in unmittelbarer Nähe befinden. Schutzkleidung ist auf einer konventionellen Farm eher eine Seltenheit.

Natürlich ist das gesundheitsschädlich für die Arbeiter und fördert das Insektensterben. -Beknackt, dass man seinen Liebsten einen Strauß Pestizide schenkt, oder?


Weil verschiedene Umweltverbände Druck gemacht haben, hat sich die Situation in Kenia mittlerweile verbessert, bzw. nicht verschlechtert. Es wird sparsamer mit Wasser und Pestiziden umgegangen und es wurde in Bewässerungstechnologien investiert.

Die Zuchtrosen aus Blumenfarmen sind dennoch manipuliert, ähnlich wie ein Masthuhn das innerhalb weniger Wochen sein Höchstgewicht erreicht haben soll, soll eine Rose möglichst schnell, möglichst perfekt wachsen. Danach sollen sie bei uns in der Vase auch noch möglichst lange halten und das bitte zu einem kleinstmöglichen Preis. Das Ergebnis aus diesen Anforderungen hat nicht mehr viel mit der Rose aus Omas Garten gemeinsam.

Kenia ist das Land der Rose, denn von hier werden jährlich 45 Millionen Kilo Blumen exportiert. 70 riesige Farmen erstrecken sich um den Naivasha-See, womit Blumen, nach Tee, zu den wichtigsten Wirtschaftsgütern des Entwicklungslandes zählen. Mit einem Jahresumsatz von 400 Millionen Euro ernährt diese Industrie eine halbe Millionen Menschen.

Die Rosen werden von Arbeitern geschnitten und dann in einer runter gekühlten Halle ( Wo die Arbeiter mehrere Stunden täglich arbeiten) von störenden Blättern befreit und gebunden. Oft schaffen es Rosen, die am morgen gepflückt wurden am gleichen Tag noch auf die Auktion nach Europa.

Ein weiterer Klimakiller-Punkt ist wohl der export.

Bevor die Rosen zu dem Endverbraucher kommen, haben sie einen langen Weg vor sich. Sie werden von Südamerika ca. 6.000 Kilometer mit dem Flugzeug in die Niederlande gebracht, wo sie nach etwa 72 Stunden Anreise auf der Weltweit größten Auktion der Welt an Großhändler verkauft werden. Diese wiederum verkaufen die Rosen dann an unabhängige Floristen oder Einzelhändler und transportieren sie per Flugzeug oder LKW an ihre Kunden. In jeder Phase müssen die Rosen kühl gehalten werden, damit sie nicht verwelken.

Jetzt könnte einem der Gedanke kommen „Ich kann ja auch Rosen aus näheren Ländern kaufen“.

Erstens: Wie Oben schon erwähnt, ist das Blumengeschäft so verzweigt, dass es kaum machbar ist, die genaue Region zu bestimmen und zweitens, was super schockierend ist: Rosen aus Niederländischen Gewächshäusern sind 6x Klimaschädlicher als Rosen aus Kenia. Es wird eine enorme Menge an Rohstoffen benötigt, um die benötigte Wärme zu bieten. Das hat eine Studie der Britischen Cranfield Studie vor 10 Jahren ergeben.

Mittlerweile haben viele Rosenbauer ihre Gewächshäuser mit Sonnenkollektoren ausgestattet, was sich positiv auf das Klima auswirken soll und sicherlich auch tut, trotzdem sollte man diese “6x mehr“ im Hinterkopf behalten.

Die Landwirte haben in den Niederlanden sehr große Gewächshäuser, in denen mit der benötigten Menge an Licht und Wasser ein idealer Ort zum wachsen geschaffen wird. Dort wachsen alle Blumen, von Saisonblumen bis zu Ganzjahresblühern.

Man kann generell sagen, dass Blumen einfach zu billig angeboten werden. Eine Rose bringt bei der Ankunft in Europa nicht mehr als 10 bis 15 Cent.

Bei einem Bund Schnittblumen für 1,99 Euro aus dem Discounter handelt es sich meist um Ausschussware, die sich über den Fachhandel nicht mehr verkaufen ließ. Diese billigen Preise machen jedoch den Blumen-Einzelhändlern große Konkurrenz.

wie nachhaltig sind

Alternativen:

Wie fast alles, geht Blumen kaufen auch Fair und Nachhaltig! Seit 2005 gibt es das Fairtrade-Siegel für Rosen.

Kriterien für Nachhaltigkeit:

  • Wasserverbrauch
  • Transportweg
  • Arbeitsbedingungen
  • Arbeitszeit, Kinderarbeit, Soziale Absicherung, Löhne, Schutz vor Pestiziden, Abwasser)
  • Einsatz von Pestiziden
  • Energieverbrauch

Im Jahr 2017 wurden fast 400 Millionen Fairtrade-Rosen in Deutschland verkauft, die fast ausschließlich aus Kenia stammen. In der Stadt Naivasha gibt es nämlich auch eine Rosenfarm die aus 56 Gewächshäusern besteht und wo 4.000 Kenianer für faire Löhne Arbeiten.

Sie haben feste Arbeitsverträge, soziale und gesundheitliche Absicherungen, Mutterschutz und eine Liste verbotener Pestizide. Außerdem gibt es klare Regelungen für den Umgang mit Pestiziden. Schutzanzüge und Wartezeiten bevor das Gewächshaus wieder betreten werden darf. Jede Woche werden in den Gewächshäusern ca. 2 Millionen Rosen geerntet.

Schädlinge, die den Rosen schaden könnten, werden von den Arbeitern mit Bio-Abfällen oder natürlichen Fressfeinden bekämpft. Natürlicher Kompost wird als Dünger verwendet.

Natürlich brauchen auch die Fairtrade-Rosen sehr viel Wasser, der Unterschied hier ist jedoch, dass das Regenwasser aufgefangen wird und zum bewässern genutzt wird.

Die Fairtrade-Rosen werden ebenso auf der Auktion in Aalsmeer verkauft, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass bei fair gehandelten Rosen eine Codenummer gibt, die eindeutig einer Farm und einem Gärtnerbetrieb zugeordnet werden kann.

Aber auch bei Fairtrade gibt es Grenzen:

Dadurch das, wie Oben schon erwähnt, Blumen einfach viel zu billig sind, sind selbst unter Fairtrade noch keine existenzsichernde Löhne garantiert. Die Bedingungen in Kenia und Äthiopien sind noch lange zufriedenstellend, dafür müsste mehr Geld in den Süden fließen.

Regional und Saisonal!

Über eine Millionen Beet und Balkonpflanzen müssen nicht importiert werden! Zimmerpflanzen wie Chrysanthemen, Cyclamen oder Weihnachtssterne, werden auch von deutschen Gärtnereibetrieben gezüchtet und vertrieben. Selbst hunderttausende Rosen und Sommerblumen werden hier gezogen. Der Einsatz von Pestiziden ist in Deutschland wesentlich schärfer gefasst als es Fairtrade-Rahmenbedingungen leisten können.

-Vielleicht kennst du diese tollen Kalender, die einem für den jeweiligen Monat das saisonale Gemüse zeigen. Das gibt es auch für Blumen! Schau´ hier nach.

Außerdem kannst du im Sommer auf ein Selberpflückfeld gehen und deinen eigenen Strauß zusammen stellen.

Eine weitere großartige Alternative zu dem Blumenstrauß aus dem Discounter sind Wildblumen-Sträuße! Ich gehe total gerne auf Blumenjagt. Auf Wiesen, Feldern oder im Wald und am Waldrand wird man fündig und es sind dann vielleicht nicht die krassesten Farben die du da findest aber du wirst staunen, wie schön sich verschiedene Gräser mit ein paar weißen Blümchen in der Wohnung machen! Außerdem halten sie länger, sind unkompliziert und dein Geldbeutel leidet auch nicht.

Achte aber unbedingt darauf keine Blumen zu pflücken, die entweder selten oder wichtig für Bienen und andere Insekten sind!

Fazit:

-Rosen verbrauchen extrem viel Wasser, was gerade in Hinsicht auf die Wasserknappheit in Kenia ziemlich schlecht ist. Außerdem ist der Transport von Rosen sehr Energieaufwändig, da sie gekühlt werden müssen. Verzichte wenn möglich auf den Kauf, es gibt so viele andere schöne Blumen:)

-Kaufe Blumen am besten beim Blumenfachhändler, ökologischen Gärtnereibetrieben oder beim Bio-Bauern.

-Regionale Blumen ist eine der nachhaltigsten Alternativen . Schau dafür auf dem Blumigo-Saisonkalender vorbei!

-Es ist besser eine Fairtrade-Rose aus Kenia zu kaufen, als eine aus einem niederländischen Gewächshaus, da der Energieaufwand für den Transport von Kenia nach Europa im vergleich zu der ganzjährigen Bewirtschaftung im Gewächshaus geringer ist.

-Wenn du Wildblumen pflücken möchtest, achte darauf keine seltenen- oder für Bienen und Insekten wichtige Blumen zu nehmen.


Bis bald!

-Lou

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