2019- Wie ich in einem Jahr zur Ökotante wurde

2019- Wie ich in einem Jahr zur Ökotante wurde

Im vergangenen Jahr hat sich bei mir einiges im Punkt Nachhaltigkeit verändert. Wie ich es geschafft habe mich heute Ökotante nennen zu können und welche Route ich gesegelt bin erfährst du hier.

Außerdem erzähle ich Dinge, die ich immer verschwiegen habe.

Ich habe mich im Jahr 2019 ein bisschen wie in einem kleinen Segelboot gefühlt.

Man hat die Reise gestartet, sich ins Boot gesetzt mit dem Gedanken ein Ziel zu verfolgen, wobei das Ziel noch gar keine richtige Form oder gar ein Bild geworden ist. Man setzt sich ins Boot und lässt sich treiben.

Dabei kommt man an vielen unterschiedlichen Häfen vorbei, bekommt neue Eindrücke, Anregungen, Inspiration und Tipps. Vielleicht landet auch ein Souvenir mit im Boot, man weiß es nicht.

Das Boot treibt so vor sich hin aber irgendwie gibt es eine Route, auch wenn ich sie noch nicht kenne.

Lass es mich dir erklären:

Zu dem Zeitpunkt, also vor einem Jahr, ernährte ich mich schon ca. 3 Jahre vegan, mehr aber auch nicht. Obwohl, ich habe auch vegane Kosmetik verwendet, das war es dann aber schon zum „Nachhaltigkeit“.

Moment, „Nachhaltigkeit“ hat vor 1 Jahr noch gar keine wirkliche Rolle in meinem Leben gespielt, das Wort hatte keinen festen Platz in meinem Leben. Ich habe Schuhe von Nike und Adidas gesammelt, bis ich irgendwann mit über 36 Paar Schuhe in einem viel zu kleinen Zimmer saß.

Ich habe Ledertaschen und Gürtel von großen Marken getragen, ohne mir darüber bewusst zu sein, dass das mal so gar nicht vegan ist. Ich fand es cool mit einem Coffee to go Becher rumzulaufen und habe bei Fast-Fashion stores meine Kleidung geshoppt.

Aber Hauptsache vegan!

Ich bin veganen Bloggern auf Instagram gefolgt, die ihr Essen und ihre veganen Produkte in die Kamera gehalten haben. Meistens irgendwelche Riegel, die einzeln in Plastik verpackt sind oder andere Snacks mit einem „vegan Stempel“. Irgendwann sind mir aber immer häufiger Themen wie „Plastik“, „Minimalismus“ und „Nachhaltigkeit“ ins Auge gestochen und ich habe Posts, Bilder und Texte von „Sinnfluencern“ oder „Greenbloggern“ gelesen und zu irgendeinem Zeitpunkt war mir klar: Da möchte ich mich anschließen!

Ich habe angefangen Kleinigkeiten wie die Bambuszahnbürste und einen Mehrwegbecher in meinen Alltag integrieren aber richtig ins Boot eingestiegen bin ich erst 2019:

Als Jahresvorsatz für 2019 habe ich „less waste“ in mein Bullet journal geschrieben und kurze Zeit später ging mein erster Blogpost zum Thema online und zwar „Das Zero Waste Starter Kit“.

Also war ich mit meinem Boot gerade bei den ganzen nachhaltigen Alternativen zu konventionellen Produkten, ich habe meinen Content bei Instagram mehr dem Thema gewidmet aber ich hatte noch kein wirkliches Hintergrundwissen. Ich habe auch meine Familie immer häufiger auf das Thema Plastik hingewiesen und so wurden Gemüsenetze in den Haushalt eingeführt, welche mal mehr, mal weniger genutzt wurden.

Über die Monate habe ich immer mehr Produkte und grüne Marken kennengelernt, ganz automatisch, ob ich wollte oder nicht.

Ökotante

Irgendwann ist mein Boot weitergefahren und plötzlich ging es um Kosmetik. Aber nicht nur um vegane und tierversuchsfreie Kosmetik sondern um Naturkosmetik.

-What?

Durch Instagram wurde ich auf das Thema aufmerksam, denn irgendwie habe ich immer häufiger hochwertig aussehende Cremes und Pflegeprodukte in meinem Feed gehabt. Automatisch wurde ich auch darüber informiert, was da eigentlich in dem Zeug drin ist, welches ich mir Tag täglich großzügig ins Gesicht schmiere. Also fand auch in meinem Badezimmer eine Veränderung statt.

Mittlerweile habe ich aber auch schon gelernt, dass man erst alles vorhandene aufbrauchen soll und sich erst dann die nachhaltige Alternative zulegen sollte. Das Thema würde sich also etwas in die länge ziehen, aber ok.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie genau wie ich an diesen Hafen gekommen bin aber auf einmal fand ich mich beim Thema „Minimalismus“ wieder. Ah doch, es war das Buch Einfach Leben“ von Lina Jachmann das ich durch Zufall irgendwo gesehen habe. Ich wusste mit dem Thema nicht viel anzufangen und habe einen Blogpost mit dem Titel „Minimalismus=Verzicht?“ online gestellt. Auf Instagram habe ich immer wieder diese schönen, hellen, cleanen Wohnungen gesehen und ganz automatisch habe ich meinen Besitz überdacht mit dem Ergebnis:

„Freundin, da läuft was schief“.

Lustigerweise stand ein paar Monate später der Umzug in meine erste eigene Wohnung an (darauf gehe ich später noch mal ein), also hieß es Sachen packen. Gibt es eine bessere Gelegenheit als einen Umzug, um seine Dinge auszusortieren?- Ich denke nicht.

Also sollte nur noch eingepackt werden, was ich wirklich brauche (denkste). Bewusster Konsum war auch ein Wort welches an verschiednen Stellen immer wieder fiel. Mir war das alles zu anstrengend, also kaufte ich in der ganzen Umzugszeit erstmal gar nichts, hatte ich keinen Kopf für. Okay, ich wünschte es wäre GAR nichts gewesen aber es waren dann doch Kleinigkeiten, die dazu gekommen sind. Zu der Zeit war auch noch in meinem Kopf, dass man nur bestimmte Dinge haben DARF.

Ich dachte, ich müsse auf meinen Bastelkram verzichten, einfach weil es nicht überlebensnotwendig ist und einige Menschen es als „unnötig“ betiteln würden.

Ein Glück war ich damals noch zu „unminimalistisch“ um meine Papiere, Farben und Pinsel herzugeben.

Naja, wie dem auch sei´, am Ende stand ich vor einem Transporter der bis oben hin voll mit Kisten war (man betone: Es waren außer 1 Sessel keine Möbel drin)

1 Transporter für 1 Person?- Fuck.

Wie eben schon erwähnt sollte das der Umzug in meine erste eigene Wohnung werden. Ich wollte vieles anders machen, mich „Öko“ und „nachhaltig“ nennen.

Jetzt konnte ich alleine bestimmen, was in meinem Haushalt verwendet wird und was in den Schränken steht. Ich hörte Podcasts, bestellte mir Bücher und mein heiliger Gral war wohl „5 Hausmittel ersetzen eine Drogerie“.

Schneller als du gucken konntest wurden Natron, Zitronensäure und Soda bestellt und die ersten Reiniger wurden selbst hergestellt.

Ich muss sagen, in dieser Zeit konsumierte ich BEWUSST aber gleichzeitig super viel, auch wenn es fast nur nachhaltiger Kram war.

Wie sagt man so schön? Man kann sich nicht Grün kaufen.

Den Spruch kannte ich damals noch nicht.

Nebenbei habe ich ein weiteres mal meinen kompletten Besitz in die Hand genommen, wie das beim Auspacken halt so ist, und ich habe meine Kisten sage und schreibe HALBIERT.

Dabei habe ich alle meine Bücher verkauft oder verschenkt und mir vorgenommen, nur noch auf meinem Kindle zu lesen. Außer Nachschlagwerke, die wollte ich gerne noch schwarz auf weiß haben.

Auch mein Kleiderschrank ist mindestens um die Hälfte geschrumpft.

An dem Punkt stolperte ich auch über den Begriff „Capsule Wardrobe“. Ich dachte, wenn man Minimalist ist, dann muss man auch eine Capsule haben.

Und natürlich durfte da nur das drin sein, was auf irgendwelchen Planern verzeichnet war (Ich sage nur gestreifte Oberteil, schwarze Hose).

Wie ihr merkt, ich hatte absolut keine Ahnung und brauchte irgendwas woran ich mich orientieren kann.

Aber stopp mal. Wieso mach´ ich das ganze überhaupt?

Ich informierte mich über Schadstoffe, CO2, Produzenten, Unternehmen, Umwelt UND Arbeitsbedingungen.

Womit mich mein Boot auch in den nächsten Hafen gelenkt hat.

Faire Mode:

Als ich meine oben erwähnte möchtegern Capsule erstellt habe, habe ich eigentlich größtenteils auf Kleiderkreisel zurückgegriffen, ich glaube 1,2 Fast Fashion Stücke waren noch dabei aber spätestens nach der Doku „The true cost“ war bei mir nichts mehr mit Fast Fashion. Auch nicht diese kleinen Momente in denen man schwach wird.

Ich hatte ein ähnliches Gefühl wie beim Thema Fleisch, einfach komplette Abneigung.

Fair Fashion habe ich mir angesehen, fand es aber für mich zu teuer. Nicht das es den Preis nicht wert wäre, versteht mich nicht falsch. Ich hatte einfach nicht das Geld. Also bin ich Kleiderkreisel treu geblieben (ich glaube ich habe eine Schwäche für Second Hand Kleidung hihi).

Glücklicherweise ist nebenbei immer präsenter geworden, dass Second Hand sogar noch nachhaltiger ist als Fair Fashion. Yuhu!

Mein Interesse zum Thema „Zero Waste“ und „Nachhaltigkeit“ wurde immer größer und intensiver. Ich hätte am Liebsten ein Buch nach dem anderen verschlungen.

Spätestens als ich dieses Jahr im Herbst 2 Stunden Kastanien gesammelt und sie dann weitere 3 Tage verarbeitet habe, um daraus Waschmittel zu machen, dachte ich mir „Okay, du bist im game“.

Jetzt, am Ende des Jahres kann ich sagen „Ich bin vom Herzen Ökotante“.

Natürlich lebe ich nicht „Zero Waste“ und es gibt noch einige Artikel, die ich kaufe obwohl ich weiß, dass sie nicht wirklich nachhaltig sind. Dazu habe ich auch einen eigenen Blogpost geschrieben, da findet ihr auch genau aufgelistet was ich NICHT mehr kaufe.

Ich denke, es ist ok auch kleine „Rückschritte“ zu machen. Kürzlich bin ich zum Beispiel von Essig auf ökologischen Weichspüler zurück gewechselt, einfach weil ich gemerkt habe, dass der Essig nicht die gewünschte Wirkung zeigt.

Was wiederum kürzlich ein ziemlicher Fortschritt war, wardaserste vegane Weihnachtsmenüin meiner Familie und die in Zeitungspapier eingepackten Geschenke!

Ein Punkt der mich manchmal echt stresst, und ich denke einigen von euch geht es ähnlich wie mir, ist die angesagte „Öko-Brille“.

Es fällt mir super schwer dieses stylische Accessoire abzulegen. Durch diese Brille sehe ich überall Plastik, unnötiges Plastik und mich nervt es wenn Leute die geschnittene Melone im Plastikbecher kaufen. Ich frage mich dann wieso Mensch XY noch den Käse auf dem Brötchen liegen hat und wieso zur Hölle die Hilde von neben an noch Fleisch isst.

Wer kennts?

Konsum

Es gibt einen weiteren Punkt an dem ich noch Arbeiten will und das ist der Konsum.

Trotz all der Bücher, all der Beiträge und meiner Vorsätze konsumiere ich zu viel.

Ich konsumiere zwar bewusst und nur bei ausgewählten Läden aber es ist einfach zu viel. Ich brauche nichts, das weiß ich und trotzdem möchte ich immer mehr.

Dieses Problem möchte ich gleich im Januar angehen und zwar mit dem

„No spending January“.

Vom 06.01.20-06.02.20 möchte ich nichts kaufen, außer benötigte Lebensmittel und Hygieneartikel falls etwas leer wird.

Aber ich möchte nicht nur nichts kaufen… Ich möchte ein weiteres mal meinen kompletten Besitz in die Hand nehmen, aussortieren und umsortieren.

Die ganze Aktion werde ich ein bisschen auf Instagram dokumentieren. Vielleicht hast du ja Lust dich anzuschließen:).Ein weiterer Hafen, an dem ich erstmal anlegen werde;).

Du merkst, es geht irgendwie von Hölzchen auf Stöckchen. Ein Thema schließt ans nächste an und so fährst du deine ganz eigene Route in dem Tempo, welches für dich passt.

Ich glaube wir sind uns einig, dass diese Reise eine jener ist, die nie wirklich enden.


Mit diesen Worten wünsche ich dir ein erfolgreiches und erfüllendes Jahr 2020!

-Lou

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