Wenn Menschen zu „Stücken“ werden- Ein Roman über Veganismus

Wenn Menschen zu „Stücken“ werden- Ein Roman über Veganismus

Endlich ist es soweit, die Rezension, Meinung und Zusammenfassung vom Buch „Wie die Schweine“ ist online! Ein Roman über Veganismus. Kompromisslos, ungefiltert, echt.

Als mich der Suhrkamp Verlag gefragt hat, ob sie mir ein Buch, genauer gesagt einen Roman zum Thema Veganismus bzw. Fleischindustrie schicken können musste ich nicht 2 Mal überlegen. Ich habe schon einige Bücher aus diesem Bereich gelesen aber einen Roman? Das klang interessant.

Als das Buch bei mir zuhause ankam und ich voller Euphorie nichts ahnend das Paket aufgemacht habe, musste ich erstmal schlucken. Das Cover hat es in sich.

Ein Stück rotes Fleisch in all seiner Pracht, mit weißen Knorpeln, Sehnen und weiß ich nicht was. Erster Gedanke war purer ekel und am Liebsten hätte ich irgendwas um das Buch gewickelt, aber nach ner´ Zeit ging es.

Bevor ich jetzt näher auf den Inhalt eingehe, wollte ich dir erstmal eine grobe Zusammenfassung vom Buch geben. Ich habe lange nach „How to Rezension“ gesucht und letztendlich krampfhaft versucht eine möglichst „professionelle“ Rezension zu schreiben. Ich sachs´ dir, das ist nichts für mich.
Ich kann am Besten locker von der Hand weg schreiben, ohne steife Anleitung. Also nimm es mir nicht übel, wenn die „Rezension“ einem Lehrer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lassen würde.

Das Buch „Wie die Schweine“ von Agustina Bazterrica ist ein Roman über Veganismus. Im Jahr 2017 wurde es in der argentinischen Originalversion veröffentlicht und schließlich im Januar 2020 auch als deutsche Verfassung im Suhrkamp Nova Verlag.

Darum gehts:


In dem Buch geht es um Marcos, der sein neugeborenes Baby verloren hat. Seine Frau ist daraufhin zu ihrer Mutter geflohen um mit der Situation klar zu kommen. Bei seinem Vater wurde so ziemlich zur selben Zeit Altersdemenz diagnostiziert, worauf dieser in einem Pflegeheim unterkommt. Um die Kosten decken zu können, verantwortet Marcos Produktion einer Schlachterei.

Er kontrolliert die Stücke, hat ein Auge auf den Schlachtvorgang, überprüft die Qualität des Fleisches, setzt die gesetzlichen Vorgaben um, verhandelt mit den Zulieferern in der Welt. Nichts ungewöhnliches, bis auf die Tatsache, dass in der Welt, in der Marcos lebt keine Tiere, sondern Menschen als Vieh zum Fleischverzehr gezüchtet- und in jener Schlachterei getötet werden.

Als Marcos eines der sogenannten „Stücke“ von einem Freund geschenkt bekommt, ist er zuerst verärgert und will es wieder los werden, doch dann überkommen ihn die Gefühle….

Der Roman soll Fleischessern kompromisslos den Spiegel vorhalten, stellt Fragen nach Moral, Empathie und den bestehenden Verhältnissen.

Die Zusammenfassung:


Der GBK Virus ist der Grund, wieso zu jener Zeit Menschen, anstelle von Tieren gezüchtet werden. Der Virus ist tödlich für die Bevölkerung und nahezu alle Tiere hatten sich infiziert, woraufhin man jedes einzelne tötete.

Die Menschen fingen an Obdachlose, Bettler, oder Immigranten zu verfolgen und zu schlachten.
Um die hohe Nachfrage nach Fleisch zu stillen, wurden Menschen wie Vieh gezüchtet. Von da an liegen in der Metzgerei Schädel, Finger, Hände usw. in der Theke und Innereien werden als Dünger verkauft.
Völlig normal für die Bürger.

Marcos, verantwortlich für die Produktion einer Schlachterei, isst seit dem Tod seines Kindes kein Fleisch mehr. Zu sehr graut es ihm vor dem Gedanken, dass auch sein geliebtes Kind auf seinem Teller liegen könnte.

Er mag seinen Job nicht, das gesamte neue System mag er nicht und an den Virus glaubt er auch nicht so richtig. Alles sei´ nur inszeniert, um die Überbevölkerung zu stoppen, denkt Marcos.

Die gezüchteten Menschen werden als „Stücke“ bezeichnet. Niemand darf „Mensch“ sagen, weil ihnen dann etwas zugestanden werden müsste. Ihnen werden die Stimmbänder entfernt, nackt werden sie in Einzelkäfigen isoliert und auf der Stirn gebrandmarkt.

Auf Zuchtfarmen werden Weibchen künstlich befruchtet oder von einem männlichen Stück bestiegen, den Deckhengsten. Außerdem gibt es noch die Suchböcke, die Weibchen besteigen und sie so auf die Befruchtung vorbereiten.
Sobald ein Stück nicht mehr von nutzen ist, landet es auf dem Schlachthof.

Auf dem Schlachthof gibt es verschiedene Bereiche, die jedes Stück durchläuft. Angefangen mit dem Betäuben:

Ein Stück wird in eine enge Box gedrängt, mit einem Ring um den Hals fixiert und schließlich mit einem Hammerschlag auf den Kopf bewusstlos geschlagen.
Daraufhin wird das Stück an den Füßen aufgehängt und an einem Schienensystem zur Enthauptung gefahren. Danach geht es weiter zum Ausblutungsbecken und schließlich wird die Leiche in einen Brühtrank fallen gelassen.


Auf dem Weg zur Innereienabteilung kommen sie am Zerlegeraum vorbei, wo Arme und Beine abgesägt werden. Augen, Zunge, Gehirne usw. werden in entsprechende Schubladen sortiert.

Im Melkbereich ist die Halle mit trächtigen Weibchen. Einige sind in Käfige gesperrt, andere liegen ohne Arme und Beine auf Tischen. Man behandelt so die Weibchen, die ihren Bauch gegen die Gitterstäbe schlagen, das Essen verweigern oder sonstiges unternehmen, um ihr Baby nicht auf die Welt bringen zu müssen. „Als wüssten sie Bescheid“ denkt Marcos an dieser Stelle.

Große Designer kaufen dem Schlachthof die Häute ab, die in der Gerberei aufbereitet werden. Handtaschen, Schuhe usw. werden von nun an mit Häuten der Stücke genäht.

Als Marcos durch ein Forschungslabor geführt wird, sieht er Stücke denen Heroin gespritzt wird, um zu erforschen wie Abhängigkeit entsteht. Anderen wurden die Augen entfernt und an Schläuche angeschlossen über die sie rund um die Uhr Nikotin einatmen.
Er sieht Assistenten, die ohne Narkose Gewebe aus Armen schneiden oder mehrere Personen, die sich das schlagende Herz eines lebendigen Stücks anschauen.

Eines morgens bekommt Marcos von seinem Freund Gringo, der Betreiber einer Zuchtfarm ist, ein ERG-Weibchen geschenkt. Dessen Fleisch ist besonders schmackhaft, sagt man. Doch zum entsetzen von Gringo, will er das Weibchen nicht. Er solle es wenigstens bis nächste Woche behalten, dann könnten sie schön Grillen.
Es kommt häufiger vor, dass Familien privat Stücke halten und ihnen nach und nach die Gliedmaßen entfernen. Dabei gehen sie nach einem Schema vor, damit das Stück nicht verblutet.

So schnell wird Marcos das Weibchen nicht los, also beschließt er es erstmal im Schuppen anzubinden, einen Eimer mit Wasser hinzustellen und es zu Füttern, bis er eine Lösung für das Problem gefunden hat.

Tagsüber arbeitet er weiterhin für die Schlachterei, liefert Bestellungen aus. Wenn er nachhause kommt, kümmert er sich widerwillig um das Weibchen. Anfangs ist er abgeneigt, hat gar kein Interesse an „seinem“ Stück .

Marcos leidet die gesamte Zeit unter dem Verlust seines Kindes, hat Alpträume, fühlt sich alleine.
Als er eines abends beschließt, das Weibchen müsse dringend gewaschen werden, ist ihm die Weiblichkeit des Körpers vertraut. Er ist vorsichtig, als wäre es ein Wertvolles Objekt, dass er da einseift. Er kämmt ihr behutsam das Haar mit dem Kamm seiner Frau, blickt in ihre Augen, erkennt die Angst, küsst das Brandzeichen auf ihrer Stirn. Er weiß, dass sie gelitten hat.

Als er über ihre Kehle streicht, fängt Marcos an zu zittern. Was er jetzt tun will, ist verboten… Er zieht seine Jeans aus, steht nackt mit dem Weibchen im Regen, umarmt es, sein Atem geht schneller…
und er tut es trotzdem…

Acht Monate später:


Das Weibchen, welches mittlerweile den Namen Jasmin bekommen hat, ist im achten Monat schwanger.
Es ist illegal Sex mit deinem Stück zu haben, es zu „genießen“.
Jeder Fötus muss normalerweise eine Identifikationsnummer erhalten, zudem muss jedes Haus-Stück Jungfrau sein. Dies wird durch unangemeldete Hausbesuche kontrolliert, ebenso wie Haltung und Zustand des Stücks.

Seit jenem Abend versteckt Marcos seine Jasmin, lässt sie mit in seinem Bett schlafen, macht ihr Sandwiches anstelle von Kraftfutter. Niemand ahnt etwas von Marcos Vergehen.

Er kümmert sich hingebungsvoll um sie, schließlich trägt sie sein Kind in ihrem Bauch. Ein Kind, nach dem er sich so sehr sehnt.

Wenn er zur Arbeit geht, schließt er Jasmin im Schlafzimmer ein und überwacht sie über sein Handy.

Als eines Morgens ein Kontrolleur unangemeldet vor der Tür steht, um sich ein Bild vom Zustand von Marcos Weibchen zu machen, droht er aufzufliegen.
Glücklicherweise kommt ihm seine hohe Stellung in der Schlachterei zu gute und durch ein Telefonat mit einem guten Bekannten aus der Abteilung kann die Kontrolle im letzten Moment verhindert werden.

Mittlerweile ist Jasmin hochschwanger. Nach einem stressigen Arbeitstag kommt Marcos nachhause und schaut direkt nach ihr. Was er da vorfindet schnürt ihm die Kehle zu, lässt ihn erstarren.
Jasmin liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, die Matratze ist mit einer grünen Flüssigkeit vollgesogen.
Ergriffen von Panik ergriffen, ruft Marcos Frau Cecilia an, mit der er nach ihrem Auszug so gut wie keinen Kontakt hatte.

Sie sollte sich ins Auto setzten und sofort herkommen. Er könne ihr nicht am Telefon sagen was los sei aber sie solle sich auf alles gefasst machen und eine professionelle Krankenschwester sein.

Als sie das schwangere Stück auf ihrem Bett sieht und Marcos ihr erklärt, das sie sein Kind im Bauch trägt, ist Cecilia von Ekel und Schock ergriffen. Aber sie handelt wie die professionelle Krankenschwester, die ihr Mann erwartet.

Cecilia sieht den Tod des Babys voraus, hat keine Hoffnung. Die Geburt dauert mehrere Stunden aber letztendlich gelingt es ihr den Sohn von Marcos und Jasmin auf die Welt zu bringen.

Sie überreicht Marcos das Baby, Jasmin wird nicht beachtet. Sie versucht aufzustehen. Sie will zu ihrem Kind.
„Das ist jetzt unser Sohn“ sagt Marcos zu Cecilia.

Jasmin fängt an zu schreien, will ihren Sohn umarmen. Marcos versucht sie zu beruhigen, küsst ihre Stirn, summt ihr ein Lied ins Ohr. „Alles wird gut“ versichert er. Was niemand ahnt: er hält einen Hammer in der Hand.

Ohne zu zögern schlägt er ihr damit fest auf den Kopf. Jasmin ist tot.

Cecilia ist außer sich. „Was hast du getan? Sie hätte uns noch weitere Kinder gebären können!“
Daraufhin antwortet Marcos „Sie hatte den Menschlichen Blick eines gezähmten Tieres“.


veganismus

Ich glaube du hast die Luft angehalten. Puh, jetzt kannst du durchatmen.

So, oder zumindest so ähnlich ging es mir jedes Mal, wenn ich in dem Buch gelesen habe. Dazu muss ich sagen, dass sich das Buch extrem flüssig lesen lässt und ich es in 3 Tagen verschlungen habe.

Aber lass´ uns zusammen mal den Inhalt aufdröseln und schauen, was die gute Agustina uns mit auf dem Buch sagen möchte:

Leider steht nirgends zu welcher Zeit das Buch spielt. Also ob das nun die bittere Voraussicht unserer Zukunft ist kann ich dir nicht sagen. Hoffen wir es nicht.

Zuerst einmal zu dem Hauptcharakter Marcos. Ich habe beim Lesen immer wieder gemerkt, dass er eigentlich nicht wirklich überzeugt von der ganzen Fleischesserei und dem Gezüchte ist. Man konnte weiter Oben schon lesen, dass er denkt es ginge darum, die Überbevölkerung zu stoppen. Bei dem Punkt habe ich meine loyale Freundin Ecosia befragt und die sagt darauf folgendes:

Zurzeit leben 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Seit den 1960er Jahren wächst die Bevölkerung alle 15 Jahre um 1 Milliarde Menschen. Das liegt an der steigenden Lebenserwartung und wachsenden Geburtsrate. Folgen sind Ressourcen Knappheit und Umweltbelastung. Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Als ich angefangen habe das Buch zu lesen, habe ich oft die Hand vor den Mund geschlagen. Aber nicht das Bild von Tieren, die nackt und isoliert in Käfigen sitzen kam in meinen Kopf, sondern von Menschen wie du und ich. In solchen Momenten dachte ich „wie kann man so sein, so mit einem Menschen umgehen?“ oder ich habe mich automatisch gedanklich in die Situation begeben.

Aber kurze Zeit später kam mir wieder in denn Sinn, was das Buch uns sagen möchte und da war mir klar: Genau das passiert mit den Nutztieren, genauso fühlen sie sich. Ihnen werden zwar nicht die Stimmbänder entfernt, denn das ist auch nicht nötig. Sie können sich auch so nicht mit uns verständigen. Die ganze Zeit über habe ich parallelen gesucht um die Menschenzucht mit der Viehzucht zu vergleichen.

Ich denke die Bezeichnung „Stück“ soll gleichstehen mit dem gängigen Begriff „Vieh“. Ich habe beim Lesen durch den Begriff tatsächlich abstand zum geschehen bekommen und konnte mich die meiste Zeit nicht mehr mit den gezüchteten Menschen identifizieren. Es war einfach eine andere Spezies.

Von dem ganzen Schlachtungsprozess und dem Verkauf von Leder müssen wir glaube ich nicht anfangen. Die Sache ist klar. Genauso erklärt sich der Teil mit dem Forschungslabor von selbst. Und dabei wird keineswegs übertrieben! Offene Schädeldecken, das Spritzen von Drogen und weiteren Grausamkeiten sind in Tierversuchslaboren Standart!

Spannend wird es ab dem Zeitpunkt, wo Marcos sein ERG-Weibchen bekommt. Ich habe das gleichgesetzt mit „Bio-Fleisch“. Moral der Geschichte: Auch das ERG Weibchen kommt aus den gleichen Verhältnissen wie ein herkömmliches Stück. Es hat genauso gelitten und die drei Buchstaben vor dem Geschlecht sind keine Entschuldigung oder Erklärung für den Verzehr.

Ein bisschen überspitzt fand ich den Teil mit den Hausstücken, denen nach und nach die Gliedmaßen entfernt werden… Glücklicherweise habe ich noch nicht davon gehört, dass so etwas in der Tierzucht wie wir sie kennen geschieht.

Okay Halleluja, als Marcos Jasmin geschwängert hat war bei mir vorbei. Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet und muss ehrlich sagen, dass ich auch das nicht ganz schlüssig finde. Kein Mensch (will ich mal schwer hoffen) würde ein Tier ausnutzen um Kinder in die Welt zu setzen. Andererseits kann ich aber den Gedanken dahinter verstehen bzw. was die Autorin damit aufzeigen wollte.

Bei der ganze Sache soll es um das Ausnutzen der Tiere gehen. Die Weibchen werden zu Gebärmaschienen, die nach getaner Arbeit wertlos sind. Das sieht man daran, dass Marcos Jasmin, die er in seinem Bett hat schlafen lassen und sich um sie gekümmert hat, nur auf das Endergebnis, sein Baby, aus war. Da kann man halt auch einfach mal den Hammer heben und zuschlagen.

Ey Leute, ich sags´ euch: Das Ende… Es hat mich komplett auseinander genommen. Ich hatte Gänsehaut. Das Buch endet mit den Worten „Sie hatte den Menschlichen Blick eines gezähmten Tieres“. Und dann war man alleine mit diesem Ende, diesem Satz und dieser Schockstarre. Auch damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Der Fakt, dass Jasmin nach der Geburt ihres Kindes komplett ignoriert wird und das schreien nach dem Baby ihren schmerz ausdrückt, erinnert an den natürlichen Mutterinstinkt den auch Kühe zu ihren Kälbern haben.


Die Autorin hat immer wieder für Schockmomente gesorgt und beim Lesen hatte ich immer so eine gewisse Grundanspannung. Der Roman basiert sehr auf den ethischen Aspekten vom Veganismus, das macht das Ganze auch so emotional. Immer wieder sieht man Parallelen zur Tierzucht heute, hier wurde nichts schön umschrieben oder verharmlost.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der sich dieses Gefühl „Ich bin Vegan weil…“ noch mehr wünscht und es wirklich fühlen möchte. Oder einfach Verstehen möchte wieso die „Veganoiden“ wie es hier im Buch so schön heißt, so sensibel auf das Thema reagieren.

Wenn du dich vielleicht schon vegan Ernährst oder dich für Veganismus interessierst, ist das Buch auf jeden Fall etwas für dich!


Vielen Dank fürs Reinschaun´

Hinterlass mir gerne Feedback oder schreib´ mir bei Instagram, dort heiße ich @veganmrslou !

Alles Liebe,

-Lou

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