CwL#7 Über Fair Fashion mit Marie Johnson

CwL#7 Über Fair Fashion mit Marie Johnson

Hello!
Und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Coffee with Lou“, dem schwarz-auf-weiß-Podcast!
Heute habe ich einen ganz besonderen Gast und zwar die liebe Marie! Auf Instagram und YouTube findet ihr sie unter @mariejohnson.

Fair Fashion

Mit ihr möchte ich heute über Fair Fashion quatschen. Ich glaube bei ihr bin ich da an der richtigen Adresse, denn sie hat zusammen mit ihrem Verlobten Alex, ein eigenes Fair Fashion Label. Den Manda Laden.

Schnapp dir nen Kaffee und viel Spaß beim lesen!


Hallo Marie, erstmal alles Gute nachträglich zum Geburtstag! Hattest du denn gestern einen schönen Tag, trotz der etwas, nennen wir es mal „speziellen“ Situation momentan? 

Ja total! Man hatte irgendwie nicht das Gefühl irgendwas machen zu müssen. War alles ganz ruhig, ich war mit Alex draußen, viel mit der Familie telefoniert und und und. 

Kann ich mir vorstellen! Hauptsache man ist nicht alleine!
Magst du dich mal kurz vorstellen, was zu dir sagen? 

Ja klar. Hey, ich bin Marie, 27 und lebe mit meinem Verlobten in Tübingen. Seit bald 8 Jahren drehe ich YouTube Videos und lasse die Menschen an meinem Leben teilhaben. Seit knapp 1,5-2 Jahren spreche ich auch viel über Nachhaltigkeit, Fair Fashion und Veganismus.

Ich wollte heute mit dir über Fair Fashion sprechen. Du hast ja selber zusammen mit deinem Verlobten, Alex, ein Fair Fashion Label. Da bin ich ja bei dir an genau der richtigen Adresse.
Wie bist du, oder ihr, zu dem ganzen Thema eigentlich gekommen? Hat das mit dem Manda Laden angefangen?

Also den Gedanken ein eigenes Modelabel zu gründen, hatten Alex und ich schon 2015 ungefähr. Da waren wir gerade in Neuseeland. Wir haben dann ganz klein angefangen, in Illustrator kleine Prints designed und dann mit so einem kleinen Fotodrucker die Sachen ausgedruckt und auf T-Shirts gebügelt und sowas.

Und als wir dann wieder zurück waren in Deutschland, haben wir so ein Bisschen angefangen zu recherchieren wie man sowas machen könnte, weil wir ja erstmal nicht so viel Ahnung von Modedesign hatten. Aber der Ursprungsgedanke war immer irgendwie Klamotten zu entwickeln, die so ein Freiheitsgefühl vermitteln, man sich einfach wohl fühlt, die schön sind und so weiter. Und je mehr wir uns mit der Thematik befasst haben, desto mehr war uns halt auch klar, und desto mehr wollten wir dann auch, dass die Teile ethisch korrekt produziert werden. Eben weil wir auch so eine große Reichweite haben.

Ja, damit sind wir dann so in diese Welt eingetaucht. Das hat aber alles etwas länger gedauert und erst 2018 war es eigentlich wirklich so weit, dass wir die ersten Kontakte geknüpft haben.

Also war das ja schon ein ziemlicher Prozess und nicht mal so ne schnelle Idee. 

Ja genau. Und in diesem Prozess haben wir halt auch total viel über die Modeindustrie gelernt.. Das eben nicht alles Gold ist was glänzt usw…
Oder nur weil eine teure Marke draufsteht das nicht gleich bedeutet, dass es irgendwie besser Produziert wird, als ein Stück welches für 3 Euro auf der Stange hängt. Und haben da dann auch erst Einblicke darein bekommen, warum Teile eigentlich mehr kosten müssen, als sie es ganz oft tun. Wie viele Arbeit dahinter Stecken, wie viele Menschen an einem einzigen T-Shirt stecken, wie viele Steps notwendig sind usw. 

Da war uns dann einfach klar, dass wir darauf achten möchten aber eben auch nicht so ein high-end Label werden wollen, welches dann wieder Menschen ausschließen würde sozusagen. 

Stell ich mir richtig Interessant vor aber auch total viel Information! Umso beachtenswerter finde ich es dann am Ende, dass ihr trotzdem diesen Schritt gegangen seid und das auch noch mit so viel Hintergedanken.
Du hattest ja gerade von den Steps gesprochen… Magst du vielleicht einmal kurz beschreiben, welchen Weg so ein T-Shirt geht? 

Äh, ja also so ganz grob kann ich das versuchen zusammen zufassen:D
Erstmal, also da weiß ich jetzt nicht ganz genau wie das abläuft, aber wenn wir mal von Baumwolle ausgehen… Baumwolle ist ja eine Pflanze, die erstmal angebaut werden muss. Dann dauert das natürlich eine Weile, bis sie „existiert“:D. Die muss dann eben geerntet und zu einem Garn verarbeitet werden. Erstmal ist das nur so eine Faser sozusagen.

Dann wird das Garn zu einer Stoffbahn gewebt werden, es gibt da verschiedene Wege, kommt auch immer auf das Material an. Entweder weben oder stricken. 

Wart ihr schonmal in so einer Weberei und habt euch das angesehen? 

Also wir waren noch nicht auf auf unserer Baumwollplantage, ne also wir besitzen keine eigene Baumwollplantage natürlich:D. Aber wir waren noch nicht da wo unsere Baumwolle herkommt, aber in der Näherei und Weberei, wo unsere Stoffe gewebt werden. Das haben wir uns schonmal angeschaut, das ist sehr faszinierend. Riesige Maschinen mit gefühlt 300 Armen, die da so eine Stoffbahn weben. Das Ganze geht auch ziemlich schnell und ist sehr laut:D. 

Kann ich mir vorstellen:D

Ja genau, dann wird die Stoffbahn gewebt, die kommt dann in die Näherei, dort wird die dann ausgelegt. Dann werden die Schnitte vom Computer „ausdruckt“ sage ich jetzt einfach mal ganz laienhaft, zugeschnitten und auf die Stoffbahn gelegt. Die Stoffbahnen werden mehrfach übereinander gelegt.

Dann wird mit einem Laser alles ausgeschnitten. Immer Einzelne Teile, also nicht nur Vorder- und Rückseite sondern bei einem T-Shirt sind zum Beispiel die Ärmel noch mal separate Teile. Oben hat das T-Shirt ja auch noch mal so einen Bund, wie einen Kragen, Umschlag wie auch immer. Kommt auch auf den Schnitt an. Das sind auch noch mal extra Teile, die alle extra ausgeschnitten werden müssen. 

Und das wird dann per Hand gemacht? 

Nein, auch mit einem Laser. Da liegen dann zig Stoffbahnen übereinander, die Papierschnitte werden oben drauf gelegt und dann fährt so ein Gerät da außen rum und schneidet die ganzen Schichten durch. 

Ah okay!

Genau, und dann werden die einzelnen Teile von den Näherinnen „zusammen gepuzzlet“ und zusammen genäht. Dann werden die ja innen auch noch vernäht, damit der Stoff nicht ausfranst. Jetzt kommt es ein Bisschen drauf an, was man hat. Wenn man nur ein T-Shirt hat, dann müssen da noch Labels reingenäht werden. Am Schluss immer noch mal alles gebügelt. Das passiert auch in der Näherei. 

Und dann wird es ins Lager verschickt. Ja dann ist es ja immer noch nicht beim Kunden.. Also wenn jemand etwas kauft, bestellt, dann muss es natürlich noch aus dem Regal genommen-, verpackt- und versendet werden. 

Kann man sich gar nicht vorstellen, wie viele Stationen so ein Kleidungsstück durchläuft… Krass! Und wo wird das dann bedruckt?

Genau, also wir haben bei uns im Shop ja auch bedruckte T-Shirts und die werden bei uns im Lager in Lübeck bedruckt. Die T-Shirts kommen in ihrer Rohfrom zu uns sozusagen. Man muss da aber auch wieder ein Bisschen schauen.. Es gibt da auch wieder verschiedene Druckverfahren und wir haben halt eine A3 oder A4 Größe, bin ich mir gerade nicht sicher aber halt so eine normale T-Shirt Größe, die von der Maschine gedruckt wird. Wenn du jetzt aber so ein komplettes Muster hast irgendwie..

Wie diese rote Bluse bei euch im Shop? Die mit den Affen? 

Genau, da haben wir den Stoff so eingekauft. Das ist dann nicht von uns gedruckt. Wenn du bedruckten Stoff haben möchtest kann man auch machen, aber die Mengen, die man da abnehmen muss, sind wirklich irrsinnig. Und gerade wenn du als kleines Start-Up keine 5 Tonnen Affenstoff brauchst, bist du in deinen Möglichkeiten einfach ein bisschen limitiert. Da muss man dann schauen: Was gibt’s, was kann man einkaufen.

Das gleiche, wenn man einen Stoff zum Beispiel extra Einfärben lässt, weil man eine bestimmte Farbe haben möchte.. Das waren auch so unsere learnings. Man stellt sich das immer ganz easy vor. Ich habe hier ne Näherei, die Arbeiter werden gut bezahlt haben faire Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit ist großgeschrieben, die haben viele Urlaubstage und sind glücklich usw. Und dann denkst du als Laie halt erstmal „Okay prima, da kann ich dann ja erstmal machen was ich will“. 

Aber man merkt dann schon ziemlich schnell das es schon daran scheitert,  wenn man sagt: Ich hätte den Stoff gerne eine Nuance gelber, grüner oder was auch immer.
Wenn man den Stoff so in fertig, bei großen Stoffhändlern nicht findet, dann musst du es theoretisch weißen Stoff kaufen und selber färben.
Ja und dann laufen da diese riesigen Maschinen…Iich glaube die kleinste Trommel muss mindestens mit 3 oder 5 Tonnen Stoff gefüllt werden. Wir haben uns das auch schon mal selbst angeschaut, die ist wirklich riesig!

Ach du schreck, okay. Das kann man sich so gar nicht vorstellen:D

Und das sind dann halt 3 Tonnen Stoff, keine Ahnung wie viele kleine Blusen oder Shirts man damit herstellen kann. Das kann man natürlich machen aber dann muss man natürlich erstens investieren und dann muss man sich ja auch sicher sein, dass die Kunden diesen Stoff gerne hätten. Das weiß man ja vorher nicht und dann hast du da 5 Tonnen grün produziert aber die Leute finden beispielsweise alle grün ganz furchtbar. Dann sitzt du da halt auf deinen 5 Tonnen Stoff. Das ist ja dann auch alles andere als nachhaltig. 

Auf jeden Fall! Und wie ist das mit der Auswahl vom Stoff genau? Also man kennt es ja, dass man irgendwie einen Katalog mit Klamotten nachhause bekommt und man sich darin dann was aussucht. Ist das mit den Stoffen so ähnlich? 

Ja also tatsächlich fast so. Es gibt so ein paar Stoffhändler eben und die haben Websites auf denen man sich Stoffproben anfordern kann. Oder man geht zu Stoffmessen. Da waren wir letztes Jahr auf einer.

Da sind dann die Händler von der ganzen Welt gefühlt und haben dann so kleine Stoffkarten wo dann wie Stofffetzen dranhängen. Die sind dann vielleicht 20×30 cm groß. Die Hängen dann alle wie an so Kleiderbügeln und da kannst du dann durchschauen was dir gefällt, anfassen, Infos übers Material bekommen und dann letztendlich auch Stoffkarten bestellen.

Der Produzent aus Lübeck hat dann wirklich ordnerweise diese Stoffkarten. Wir breiten dann alle auf dem Boden und schauen durch, was uns so zusagt. Aber dann hast du Teilweise ein A4 Blatt auf denen 10 Stoffproben a 3cm drauf sind. Und dann musst du anhand dieses winzigen fetzen entscheiden, ob dieser Stoff an einem Bodenlangen Kleid gut aussehen würde:D.

Das stelle ich mir hart vor:D

Auf jeden Fall. Da braucht man erstmal ein Bisschen Vorstellungskraft:D Aber wenn man sich dann entschieden hat, kann man das zum Beispiel auch in Illustrator einfärben. Man kann sich das dann schon ein Bisschen vorstellen aber es ist schon noch mal was anderes, als würde man das Teil live sehen. 

Vor allem wenn man das nicht anfassen und fühlen kann, das stelle ich mir am schwierigsten vor.

Richtig. Auch wie das dann mit dem Material fällt, nicht jedes Material fällt ja gleich. Und dann ist es zum Beispiel so, dass die Modedesigner einen Schnitt entwickelt haben, den man dann erstmal bemustert. Das heißt es wird ein Muster genäht um zuschauen: Passt das für uns so, muss vielleicht noch etwas verändert werden.

Und dann wird das natürlich nicht in dem Material bemustert, in dem man es später verkaufen möchte, weil das kauft man ja extra ein und hat eben auch seinen Preis. Man macht das dann aus Stoffresten die noch übrig sind von irgendwie Mustern, die nicht gut funktioniert haben oder oder. Was halt noch im Lager rumliegt. 

Dann ist da natürlich auch noch mal das Ding, das ein Kleid, was später aus einem leichten Viskose Stoff sein soll, aus einem festeren Leinenstoff gemustert wird, der natürlich ganz anders fällt. Dann siehst du so den Schnitt und dann heißt es „ Jetzt brauchen wir noch mal ein Bisschen Vorstellungskraft, weil der Arm der fällt nachher noch anders“:D. 

Ich glaube mir würde das extrem schwer fallen:D Weil wenn man dann ja auch erstmal angefangen hat zu Produzieren, dann gibts ja quasi kein zurück mehr. Hattest du das schonmal, das du dann sozusagen das Endprodukt hattest und dir gedacht hast „Ne, also so hatte ich mir das jetzt nicht vorgestellt“

Äh, ja also das hatten wir schon einmal aber das sind dann Sachen, die später nicht im Shop sind. Also wenn die Sachen im Shop sind, dann sind die auch so, wie wir uns das Vorgestellt haben. Aber wir hatten zum Beispiel letztes Jahr so ein turtle neck Oberteil aus Jersey Stoff. Das ist einfach bis zum Schluss nicht cool geworden, also nicht so wie wir uns das vorgestellt haben. Dann hat es auch vom Material her nicht gepasst usw. Und dann haben wir einfach beschlossen: Okay, dann lassen wir das jetzt weg. Es war auch noch nicht produziert, erst in der Bemusterung und dann ging das.

Also erst wenn man sagt das alles passt, wird produziert. 

Verstehe! Ich weiß nicht ob man das so öffentlich sagen darf aber kannst du so ungefähr sagen, wie so der Einkaufspreis von fairem Stoff ist? 

Ähm..:D Das kommt immer drauf an, was man für ein Material verwendet. Also diese ganzen „fancy“ Materialien wie Lyocell, Modal oder auch Viskose sind natürlich sehr viel teurer, als Stoffe, die auch noch einen Polyesteranteil haben. Dann kommt es auch immer darauf an, woher du es beziehst. Wenn du Fernostware einkaufst, ist der Preis gleich direkt mal nur ein Zehntel von dem, was du bezahlst, wenn du etwas von einem europäischem Händler beziehst. 

Ich glaube unsere Lieferanten sitzen in Polen und den Niederlanden wenn mich nicht alles täuscht. Wobei den finalen Einkauf auch immer unser Produzent macht. Der schaut noch mal,  vergleicht usw.

Das ist ja auch noch mal ganz gut, wenn man noch jemanden hat, dem man dann einfach mal das Steuer in die Hand geben kann und sagen kann „hier mach mal“:D Und ihr dann aber natürlich auch wisst, dass was gutes bei raus kommt. 

Ja genau. Deshalb weiß ich auch nicht so genau über die Preise bescheid, ich will nichts falsches sagen was den Meterpreis betrifft. Ich glaube das wird bei so großen Mengen auch keinen Meterpreis, sondern einen Kilopreis. 

Achso ja kein Problem!:) Alles gut.Ich kenne eure Teile und die sind ja schon, ich sage mal „ausgefallener“. Also es ist jetzt nicht so, dass ihr 5 T-Shirts in verschiedenen Farben habt, die ihr unterschiedlich bedruckt. Sondern das sind ja coole Schnitte. Woher bekommt ihr da die Inspiration?
Beispielsweise bei der „Flow Hose“… Der Schnitt ist ja total besonders und ich persönlich wäre da nie drauf gekommen… 

Ja die Hose sieht etwas spezieller aus:D Also uns war es von Anfang an wichtig, das es nicht einfach nur noch ein Label wird, welches komplett Basic ist. Also Basic ist gut, weil das natürlich in dem Sinne wieder nachhaltig ist, als das es zu allem passt, es vielseitig ist, zeitlos usw. aber gleichzeitig gibt es das schon wie Sand am Meer. Also das war unser Eindruck. Uns war einfach wichtig auch coole, modische uns ausgefallene Teile zu haben, wo man aber einfach trotzdem weiß, dass diese unter guten Bedingungen produziert wurden. 

Und ich bekomme ganz viel Inspiration von Instagram und Pinterest. Dann sehe ich oft Sachen die mir total gut gefallen.. Was weiß ich, eine Bloggerin die irgendein Kleidchen an hat. Das sieht man dann natürlich nur aus einer Perspektive und dann komme ich da manchmal mit einem Bild an und sagen „Ja sowas in der Art fänd ich ganz cool:D“. 

Ja, dann ist natürlich die Herausforderung da erstmal einen Schnitt draus zu machen. Man muss  eben erstmal gucken: Wo sind die Nähte, was ist das überhaupt für ein Material, wie sieht es von Hinten aus und so weiter. Ja genau, da tüfteln wir uns immer ein Bisschen was zusammen. 

Pinterest und Instagram sind auch meine Inspirationsquelle Nummer 1:D

Natürlich wird es dann keine 1:1 Kopie, weil das ist auch gar nicht möglich. Die Flow Hose hat auch ein paar Prototypen gebraucht um so zu wissen, wie weit alleine dieser Überschlag vorne sein muss, damit wenn man läuft nicht, nicht plötzlich irgendwas aufweht und man halb nackt dasteht. Dann hatten wir aber den Überschlag zu weit gemacht, dann sah das Vorne wieder zu massiv aus. Dann haben wir wieder was verändert usw.

Die Hose war auch inspiriert von einem Bild von Pinterest. Aber man muss auch bedenken: Je aufwändiger und je mehr Steps ein Teil benötigt, desto teurer ist die Herstellung letztendlich auch. Deswegen muss man immer ein Bisschen abwägen. 

Cool! Diese ganzen Schritten hören sich ja erstmal total kompliziert an. Wenn man jetzt davon ausgehen würde, ihr würdet nicht fair produzieren.. Hättet ihr dann das gleiche Prozedere? Gehen wir mal von einer großen Fast Fashion Kette aus… Haben die es irgendwie leichter, weil sie nicht auf Nachhaltigkeit achten?

Also da kann ich nur so meine Einschätzung natürlich geben aber wir machen jetzt nichts besonderes, nur weil wir fair produzieren. Ich kann mir nicht vorstellen wie man das anders machen könnte, außer das man die Arbeiter einfach schlechter bezahlt.  Oder ob die vielleicht bessere Maschinen haben.. 

Ist wahrscheinlich der Einkaufspreis, der einfach günstiger ist..

Ja genau, weil die Steps sind eigentlich die gleichen. Du brauchst das Material, das muss irgendwo herkommen, es muss verarbeitet werden usw. man kann da ja nicht einfach irgendwas weglassen. Sprich: Wenn man günstig einkauft, dann hat immer zwangsläufig jemand anders den Preis bezahlt. 

Ja, das ist alles so verzwickt, weil man das so schlecht einsehen kann, wo etwas herkommt, wie es den Menschen ging… 

Ja total… Und dann natürlich gleichzeitig, wenn du dann nicht so tief in der Materie drin bist, denkst du logischerweise als Konsument: Wenn Marke XY soviel teurer ist, dann muss die doch gut produzieren oder gute Materialien haben, weil die sind ja soviel teurer. Aber ganz oft ist es auch einfach der Name, den man bezahlt. Also bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Mitarbeiter besser bezahlt wurden als bei günstigen Ketten. 

Die Produzieren ja oft auch in den selben Hallen…
Du sagtest ja gerade schon, und das ist wahrscheinlich auch den meisten bekannt, dass Fair Fashion einfach seinen Preis hat. Zurecht, aber ich weiß noch als ich mich angefangen habe mich mit dem Thema zu beschäftigen, da war ich erstmal so „Oh mein Gott, ich kann mir aber kein T-Shirt für 40 Euro leisten, und jetzt?“. 
Dann sieht man ja auch immer die ganzen Fair Fashion Blogger, die coole Outfits posten, coole Marken verlinken und dann gehst du drauf, siehst den Preis und denkst „okay, ne Hose für 200 Euro ist jetzt halt nicht wirklich mein Budget“:D.
Wie nimmst du das war? 

Ja also sehe ich zu 100% genauso. Eben deswegen war es uns auch ein Anliegen zu schauen, dass die Sachen nicht komplett aus dem Ruder laufen. Klar, es gibt auch teurer teile. Wenn wir zum Beispiel eine Jacke haben… Die hat einfach mehr Material und mehr Arbeitsschritte. Trotzdem wollten wir immer das es in einem Verhältnis steht, sodass es sich mehr Leute leisten können. Es ist natürlich immer noch teurer im Verhältnis zu den großen Ketten aber ich find es auch total wichtig das Bewusstsein dahingehend zu schärfen:

Was brauche ich wirklich? Brauche ich wirklich jetzt noch eine neue Jacke ?. Und dann natürlich noch ganz grundsätzlich die Frage „Muss es denn neu sein?“. Kann ich vielleicht auch schauen, ob es Second Hand verkauft wird. Vielleicht finde ich ja auch genau den Artikel, den ich bei einer Brand gesehen habe und sonst Alternativ irgendwas finde. Weil den Lebenszyklus von Klamotten zu verlängern, ist natürlich immer die nachhaltigste Variante von allen. Egal wie nachhaltig du Produzierst, kein Konsum oder die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, ist immer das nachhaltigste. 

Ja total! Ich finde es auch mega cool wie ihr das kommuniziert. Manche sind ja mehr so „hier kauft alles was es bei uns gibt“. Damit zieht man ja seiner Reichweite irgendwie auch das Geld aus der Tasche… 

Ja total, finde ich auch voll wichtig! Wenn einem Kunden auch mal was nicht gefällt oder sich nicht sicher ist, ob es passt, dann bin ich echt die letzte, die sagt „Doch, doch, das brauchst du trotzdem, sonst kannst du nicht glücklich sein“. Sondern ich denke langfristig gesehen, fährt man mit Ehrlichkeit besser. 

Da wären wir dann auch bei „Greenwashing“….

Jap, ein großes Thema:D 

Ein sehr großes:D! Ich frage mich immer erstmal, wie man das mit sich vereinbaren kann, obwohl der Mensch an sich ja schon ziemlich ignorant sein kann, aber das ist ein anderes Thema:D. Ich frage mich halt immer, wie das so veröffentlicht werden kann.. Man kann doch nicht etwas schlecht produzieren und es dann als „nachhaltig“ verkaufen. Wie schafft dieses Teil es denn an die Öffentlichkeit, ohne das das „aufgedeckt“ wird. Das es trotzdem irgendwelche Mittel und Wege gibt, die niemand aufhalten kann… Ich verstehe das nicht.

Total, das ist mir auch ein völliges Rätsel. Ich glaube da kommt es auch ganz stark auf das wording an.. Nachhaltige Materialen und fair produziert sind ja eigentlich auch zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Und wenn jetzt jemand mit „Conscious Collection“  um die Ecke kommt oder sagt „wir produzieren jetzt mit nachhaltigen Materialien, so und so hoch ist der recycling Anteil“. Das kann ja alles stimmen aber Fakt ist, dass da nirgends was von fairen Arbeitsbedingungen steht. Das dichtet sich der Mensch dann halt so zusammen, wenn er einen grünen Schriftzug sieht und alles aus beigem Leinen ist, die Models sind ungeschminkt, sehen voll natural aus..

Das gibt natürlich ein gutes Gefühl, wenn man es anschaut. 
Aber dem ist halt nicht so. 
Man darf sich nicht in die Irre führen lassen. 

Es ist echt verrückt, was man für Wege findet um die Leute hinters Licht zu führen:D. 

Total!

Ein Punkt, an dem ich mich immer zurückhalten muss ist, wenn Influencer so jeden Monat ihre Fast Fashion Hauls präsentieren und am Ende noch mit nem fetten Rabattcode um die Ecke kommen… Ich kannst einfach nicht mehr nachvollziehen.. Weil die haben ja wirklich eine rieeesen Reichweite und wenn die für Fair Fashion werben würden… 

Ja richtig.. .Ich weiß genau wie das ist. Ich komme ja eigentlich auch ursprünglich aus einer anderen Richtung und habe früher auf meinen Kanälen viel über Fast Fashion und Konsum, Konsum, Konsum gesprochen und ich würde auch heutige noch nicht sagen, dass ich minimalistisch lebe. Aber ich gehe jetzt bewusster mit dem Thema um und bin mir auch meiner Reichweite bewusst! Und was man mit Reichweite alles verändern und bewirken kann aber gleichzeitig weiß ich auch wie schwierig dieser switch ist..

Natürlich haben die großen Konzerne viel mehr Geld als die kleinen nachhaltigen Start-Ups. Und natürlich lässt sich so viel schneller, einfach und unkomplizierter Geld verdienen, wenn ich einfach meine Scheuklappen aufziehe, und so tue als würde ich nichts sehen und hören.

Klar, genug Zuspruch ist ja auch da.. 

Da muss man dann eben für sich entscheiden „Was möchte ich mit meiner Reichweite bewirken?“, denn nur wenn man es wirklich verinnerlicht hat, kann man auch authentisch schein. Sonst kommt es so rüber als würde man nur allen nachplappern, weil du dein Gewissen rein waschen möchtest und im stillen Kämmerlein kaufst du dann eben doch noch bei den großen Ketten, weil es dir besser gefällt.

Es wird sich ja an diesen Stellen auch überhaupt nicht zum Thema Fast Fashion geäußert. Hat so ein Bisschen was von „alle Wissens aber niemand sagt was, weil dann müssten wir ja unseren Lifestyle ändern“. 

Also ich handhabe es zum Beispiel so, ich kaufe nicht ausschließlich Fair Fashion. Sondern es passiert bei mir auch, dass ich ein richtig hübsches Teil sehe, bei dem ich auch weiß, dass ich es lange tragen werde oder schon lange nach so etwas suche. Dann ist es vielleicht auch ein Fast Fashion Teil aber das ist dann nichts, was ich an die große Glocke hänge und zwar nicht weil ich es vertuschen möchte. Ich gehe damit ganz offen um und wenn mich jemand fragt, dann sage ich auch das es von Marke XY ist. Ich möchte das aber nicht auf meinen Kanälen promoten, wo dann am Ende 200.000 potentielle Menschen das sehen und es nachkaufen. 

Ist ja letztendlich auch viel authentischer, wenn man nicht nur „perfekt“ präsentiert und die neusten Fair Fashion teile trägt, sondern einfach sagt was Sache ist. Fast Fashion ist total in unsere Gesellschaft integriert, da ist es doch klar, dass man nicht nur gegen den Strom schwimmen kann. 

Total.

Da frage ich mich aber auch oft, wieso Fast Fashion so krass kommuniziert wird. Überall hängen riesige Plakate, Kataloge werden verschickt, Werbung im Internet… Wieso wird Fair Fashion nicht annähernd so kommuniziert?

Ich weiß auch nicht ob die teilweise noch aus einer anderen Nische kommen und nicht die breite, konventionelle Masse ansprechen wollen. Oder es ist einfach schlichtweg zu teuer. Das kleine Label aus dem Avocadostore kann sich vielleicht keine riesige Plakatwerbung leisten, vielleicht auch keine Kataloge oder Influencer-Werbung. 
Dann sprechen diese eben nur eine bestimmte Nische an und dann bleibt jeder in seiner Bubble. 

So wird das sein… Aber ich habe noch mal ne ganz andere Frag: Du ernährst dich ja auch vegan. Wie stehst du zum Thema „Leder“?:D

Ja…:D Also bei Leder ist es so: Ich besitze Lederteile aber seit ich mich vegan ernähre, habe ich kein neues Leder mehr gekauft. 

Dann Second Hand? 

Ich glaube ich habe tatsächlich nicht mal Second Hand Leder gekauft aber ich habe zum Beispiel auch nicht gesagt, dass ich kein Leder mehr tragen möchte. Es gibt ja auch schon Menschen, die sagen sie möchten keine laufende Werbetafel für Leder sein. Und entsorgen deswegen auch ihre Lederklamotten. Aber ich habe Lederschuhe, eine Lederjacke die ich über alles liebe. Die würde ich auch nicht weggeben.

Man sieht ja auch überhaupt nicht mehr, ob es sich jetzt um Kunstleder oder echtes Leder handelt. 

Genau, da sieht man wie du sagtest den Unterschied nicht. Deshalb sehe ich mich auch nicht als eine laufende Litfasssäule mit Werbung für „Ich trage gerne totes Tier“. Anders ist es für mich bei Pelz. Pelz würde ich auch Second Hand nicht kaufen oder tragen. Da könnte man jetzt natürlich auch wieder sagen, dass das heuchlerisch ist. Ist ja im Prinzip nichts anderes nur das auf der einen Haut noch Haare sind und auf der anderen eben nicht. Aber da finde ich den Unterschied halt ganz arg deutlich. Ich erkenne auf der Straße ob da jemand einen Echtpelz Kragen an der Jacke hat oder ob das Kunstpelz ist.

Absolut! Ich finde diese Pelzgeschichte ist auch noch mal ein anderes Level. Ganz ekelig. 

Ja ist noch mal ein anderes Level der Grausamkeit. 

Auf jeden Fall. 
Hast du ein Lieblingslabel für Fair Fashion? Also wo der Preis noch ganz okay ist, die Materialien gut sind usw? 

Mhh.. Ein Lieblingsfairfashion-Label… Also ich mag zum Beispiel die Hosen von Kings of Indigo sehr gerne. Die sind preislich schon ein Bisschen Teurer aber es kommt ja auch drauf an, was man sonst so für Marken kauft. Also wenn man sonst Levi’s Jeans kauft, bewegt man sich da im selben Rahmen.
Was ich auch super schön finde für Unterwäsche ist Coco Malou.

Davon habe ich auch nur gutes Gehört.

Die finde ich auch qualitativ sehr gut. Sonst ich warte gerade noch auf eine Bestellung von Tala, nennt sich das. Das ist sie Sportmarke von einer englischen Youtuberin. Grace Beverly heißt sie. Die Produzieren fair und nachhaltig aus recycelten Materialien in Portugal. Da bin ich schon sehr gespannt, weil die Teile tatsächlich verhältnismäßig günstig sind. Also da kostet so eine Sportleggings so etwa 45 Euro.

Das geht ja…

Das ist für eine Fair Fashion Sporthose echt günstig. 
Deswegen hoffe ich auch das es passt und sich gut anfühlt. 

Ich merke das auch, dass ich viel mehr auf die Stoffe achte.. Früher habe ich immer nur nach dem Aussehen ausgewählt aber heute achte ich total aufs Gefühl und ob es auch wirklich zu 110% passt.

Ja, keine Kompromisse mehr eingehen. Dann hat man am längsten was von dem Teil.

Hast du vielleicht einen Tipp, wie man seinen Stil findet? Mir gehts nämlich so, dass ich nicht unendlich viele Teile besitzen möchte, aber ich finde es super schwer auf nur einer Schiene zu fahren. In dem einen Moment gefällt einem die vintage Bluse, man möchte das Hemd von Opa anziehen aber dann mag man auch im nächsten Moment was sportliches und und und. So komplett gegensätzlich ist mein Geschmack:D 

Verstehe total was du meinst! Kann ich zu 100% fühlen! Und muss ich sagen, habe ich für mich auch noch nicht die Lösung gefunden. Ich glaube Menschen sind da einfach unterschiedlich. Aber ich glaube das es auch gar nicht wichtig ist, das jeder in eine Schublade passt. So nach dem Motto: Du bist so die Boho, du die Vintage, du bist so und so. 
Ich habe so das Gefühl, man kann auch einfach nur seine Lieblingsteile tragen. 

Worauf ich aber versuche zu achten ist, dass ich mindestens 3 Anlässe bzw. Kombinationsmöglichkeiten zu überlegen, bei denen ich das Teil tragen kann.

Es gibt ja auch dieses „Capule Wardrobe“ System.. Das habe ich mal probiert, habe dann aber gemerkt, dass das einfach nichts für mich ist:D

Ich werde da auch nicht so richtig glücklich mit:D Ich wünschte ich wäre mit weniger zufriedenzustellen:D

Naja, du hast ja auch einfach Spaß an Mode. 

Ja genau. Das ist dann vielleicht einfach Teil unserer Leidenschaft und jemand anders kann sich für andere Bereiche begeistern. 

Mir passiert es oft, dass ich dann in ALLEN Bereichen nachhaltig sein möchte… Vegan, Zero waste, schwarz, weiß. 

Man darf sich nicht so einen Druck machen und machen lassen, sondern einfach so für sich die eigenen Prioritäten setzten. Und mir ist aufgefallen, dass wenn man das offen kommuniziert, was vielleicht noch nicht 100% nachhaltig ist, äußern sich die anderen Menschen genauso. Das ist total befreiend, wenn wir alle ehrlich zueinander sind und nicht ständig Angst haben müssen verurteilt zu werden.

Man muss auch bedenken, dass jeder woanders seine Prioritäten hat und nur weil mir etwas wichtig ist, muss es nicht allen anderen genauso wichtig sein. 

Genau, man zeigt ja auch nur gefiltert was man zeigen möchte und sieht eben auch nur das, was andere zeigen möchten.

Richtig!

Ja Marie, ich glaube das war ein schöner Abschluss! Danke das du dabei warst und dir die Zeit genommen hast. Kaffee ist leer und du machst jetzt Mittagspause. Was gibts? Spagetti, Pesto?:D

Ne tatsächlich nicht:D Anlässlich meines Geburtstages gestern, haben wir Essen bestellt und davon ist noch etwas übrig!:)

Ah okay! Dann  hab noch einen schönen Tag!


Ich fand das Gespräch richtig schön und vor allem konnte ich mitnehmen, dass man nicht in irgendeine Schublade passen muss und einfach seine Lieblingsteile tragen sollte!

Ich hoffe du fandest diesen Kaffee-Talk genauso schön wie ich!:)

Alles Liebe,
-Lou

Ein Beitrag von mir über Fair Fashion- Darauf solltest du achten!

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