Ökologisch Imkern und die Frage „Ist Honig vegan?“

Ökologisch Imkern und die Frage „Ist Honig vegan?“

Honig ist ein Thema, welches unter Veganer*innen immer wieder für Gesprächsstoff sorgt. Ist Honig vegan? Nehmen wir den Bienen ihr Futter weg?
Ich habe mit einer Imkerin gesprochen, die eine ökologische Hobbyimkerei betreibt.

In meinem Kopf ist vor ein paar Wochen ein Gedanke explodiert, und lässt mich seit dem nicht mehr los. Ich habe überlegt, was ich persönlich noch gutes für die Bienen tun kann, ob es reicht fröhlich Blumenwiesen zu pflanzen, oder ob ich mehr tun kann.

Natürlich bin ich bei dieser Abfolge von Gedanken auch über das Thema „Honig“ gestolpert.
Mein Gedanke: Macht es wirklich Sinn als Veganerin Honig zu boykottieren? Unterstütze ich nicht mit dem Kauf von regionalem Honig die Imkerei und somit den Erhalt der Bienen?

Ich habe kurzerhand dazu entschieden, mich mit einer Imkerin in Verbindung zu setzten, die ökologische Imkerei betreibt. Ihr wollte ich meine laienhaften Fragen stellen, wie zum Beispiel „Was ist dieser Rauch, mit dem die Bienen benebelt werden?„, „Werden die Bienen wirklich so häufig verletzt?„.

honig vegan

Mara hat insgesamt 10-15 Honigbienenvölker und kümmert sich nebenbei noch ein bisschen um wilde Bienen.
In Mainz gibt sie außerdem noch ökologische Imkerkurse.
Auf Instagram findet ihr sie unter @bienen.blumen.campen


Von den über 500 Wildbienenarten in Deutschland ist die Hälfte vom Aussterben bedroht. Mara, liege ich mit meiner Annahme richtig, dass die Imkerei eine Maßnahme gegen das Bienensterben ist?

Häufig wird mit dem Bienensterben die Honigbiene verbunden. Doch wenn wir mal auf die Welt schauen, dann gibt es in Deutschland nur eine Honigbiene. Diese wird von vielen Imkern unterstützt, und durch die Imkerei gefördert. Deshalb ist die Honigbiene zwar nicht arten- dafür aber zahlenmäßig deutlich überlegen.

Es müssen Nistplätze für wilde Bienen geschaffen werden, denn 85% davon sind sogenannte „Sandbienen“. Weil jedoch immer weniger Flächen einfach brach liegen, finden diese Bienen keinen Ort um ihre Eier abzulegen, und greifen im Gegenzug zum Beispiel auf Sandkästen in Kindergärten zurück.

Mit dem Kauf von Honig, aus einer Imkerei aus der Region, unterstützt man die regionale Umgebung, die Artenvielfalt. Denn durch die Bestäubung der Bienen bleibt diese erhalten“


Finanziert sich die Imkerei ausschließlich von dem Verkauf von Honig und Bienenprodukten?

Ich verkaufe Wachs und Honig. Aus dem Wachs werden Kerzen oder Cremes gemacht, und aus dem Honig könnte man auch Cremes herstellen, er wird aber eher als Speise verkauft.
Es werden aber auch die Pollen und der Propolis (Blütenharz- wirkt antiseptisch) verkauft. Manche machen auch ein Geschäft mit dem Geleé Royal. Das ist aber pervers und hat nichts mit ökologisch-nachhaltig zutun.


Etwa 900.000 Bienenvölker werden von 135.000 ImkerInnen in Deutschland betreut (stand 2018). Damit gehören deutsche ImkerInnen zu den fleißigsten der Welt!
Zwischen 20-30kg Honig kann ein Volk pro Jahr produzieren.

Stolze 1,1kg Honig isst der Deutsche durchschnittlich pro Jahr, aber Achtung:

Nur etwa 30%, der in Deutschland verbrauchten Honigmenge, wird auch hier im Land erzeugt.
Das ist ein Punkt, den es unbedingt zu beachten gilt, denn der Umgang mit Honigbienen in Deutschland ist bedeutend besser als im Ausland (Asien, USA, Südamerika).
In einem Beitrag, in dem sich die Organisation Peta mit dem Thema Honig und Bienenhaltung beschäftigt, wird gleich zu Anfang darauf hingewiesen, dass „Der Umgang in Deutschland mit sogenannten Honigbienen nicht so dramatisch sein mag wie im Ausland, und der Text daher auch den Umgang mit Bienen im Ausland (Asien, USA und Südamerika) thematisiert.“

Ich persönlich finde, dass dadurch der Fokus ausschließlich auf negative Aspekte gelenkt wird, die es so in Deutschland auch vereinzelt gibt, für den überwiegenden Teil der deutschen Imker*Innen, ist das Imkern jedoch ein Hobby. Für nur 1% ist die Imkerei der Haupterwerb („um davon leben zu können, braucht man 150-250 Völker, sagt Thomas Hans- Imker aus der Pfalz).

Bild: Imkerschule.org

Der Internetseite vom Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft konnte ich entnehmen, dass die Arbeit des Imkers oder der Imkerin nicht nur darin besteht, den Honig der eigenen Bienen zu ernten, sondern sie „sachgemäß zu betreuen und zu führen“ wie es in der Fachsprache heißt. Dies sei ein wichtiger Job, denn hohle Baumstämme werden immer seltener, der Befallsdruck durch die eingeschleppte Varroamilbe aber umso höher. Durch diese Aspekte würde ein Honigbienenvolk in der freien Natur nicht lange überleben.

Bei meiner Recherche konnte ich deutliche Unterschiede bei der Art des Imkerns feststellen. Neben der konventionellen Imkerei, die den Fokus auf Honiggewinnung legt, gibt es die ökologische-, nachhaltige Imkerei, die auch als „wesensgemäß, naturgemäß, biologisch, naturbelassen oder naturnah“ bezeichnet wird.
All diese Begriffe sollen den respektvollen Umgang mit Bienen beschreiben.

Imker*Innen, die diese Art der Imkerei praktizieren, betrachten das Bienenvolk, einschließlich der Waben, als eigenen Organismus.
Dieser wird als Bien bezeichnet.
Das soll bedeuten wie, dass nur im Zusammenspiel aller Individuen ein Volk als Ganzes überleben kann.

Bild: Maerkzettel

Es gibt nicht nur beim „wie“ unterschiede; auch die Intentionen hinter der Arbeit der Imker*Innen kann verschieden sein.
Die konventionelle (auch honigintensive Imkerei genannt) Imkerei, ist auf den Honigertrag aus, wohingegen das ökologische Imkern als aktive Art des Naturschutzes angesehen wird, und es nicht um die Erzielung eines maximalen Honigertrags geht.
Es soll im Einklang mit den Bedürfnissen der Bienen geimkert- und die Bienen so gehalten werden, dass ihre Lebensbedingungen weitgehend denen in freier Natur entsprechen.

Vereine wie Demeter oder Bioland haben feste Vorstellungen, was eine wesensgemäße Bienenhaltung ist (siehe Auflistung unten), und haben in den 90er Jahren Richtlinien dazu verfasst.
In weiten Teilen ist anerkannt, dass alles was gegen die Natur der Biene läuft, dem nicht gerecht werden kann.
Dazu zählen beispielsweise:

  • Königinnenzucht und künstliche Besamung
  • Flügelschnitt
  • Ablegervermehrung
  • Reizfütterung
  • Fütterung von Zuckersirup und künstlichen Futterteigen
  • Styroporbeuten
  • Absperrgitter
  • Wanderung

Richtlinien der ökologischen Imkerei

Bioland:
  • Standort des Stocks:
    -Vorwiegend ökologische- oder naturbelassene Flächen
  • Futter zur Überwinterung:
    -Den Bienen muss ein Teil des Honigs im Stock belassen werden. -Auffütterung erfolgt mit Bioland Rübenzucker
  • Bienenwohnung:
    Natürliche Materialien des Bienenstocks wie Holz, Lehm, Stroh.
    Keine Pestizidanstriche erlaubt.
    -Desinfektion muss chemiefrei erfolgen
  • Varroamilbe wird ausschließlich mit organischen sauren behandelt.
  • Teilweise Naturwabenbau im Stock
  • Flügelschnitt verboten
Naturland:
  • Standort des Stocks:
    -Bei der Aufstellung sind ökologisch bewirtschaftete oder naturbelassen Flächen zu wählen.
    -Es muss gewährleistet sein, dass aus einem Umkreis von 3 km, um den Bienenstock, keine nennenswerte Beeinträchtigung der Bienenprodukte, durch landwirtschaftliche oder nichtlandwirtschaftliche Verschmutzungsquellen zu erwarten ist.
  • Futter zur Überwinterung:
    -Ein Mindestanteil des Winterfutters, von 10% als Honigs, muss den Bienen belassen werden.
    Zucker und Zuckersirup sind nur zur Überwinterung gestattet.
    Keine Pollenersatzstoffe erlaubt.
  • Natürliche Baumaterialien (Holz, Lehm, Stroh).
    -Keine Pestizidanstriche
    -Anstrich mit Lein- oder Holzöl.
    -Innenbehandlung nur mit Propolis, Bienenwachs oder Pflanzenöl erlaubt.
  • Der Einsatz von chemischen Medikamenten zur Bekämpfung der Varroarmilbe ist verboten.
    Organische Säuren werden verwendet.
  • Den Bienenvölkern ist auf mehreren Waben die Möglichkeit zu geben, Naturwabenbau zu betreiben.
  • Flügelschnitt verboten
  • Die instrumentelle Besamung darf mit Zustimmung von Naturland lediglich in Zuchtbetrieben durchgeführt werden.
  • Schwarmtrieb zur Vermehrung ist zu berücksichtigen.
    -Die Vermehrung soll aus dem Schwarmtrieb heraus erfolgen
  • Der Gebrauch von Rauch sollte auf ein Minimum reduziert werden
  • Chemisch-synthetische Mittel nicht erlaubt
  • Als Rauchmaterialien sind natürliche Materialien (Holz, getrocknete Pflanzenteile) zu bevorzugen.
Demeter:
  • Standort des Stocks:
    -Bevorzugt werden biologisch-dynamisch bewirtschaftete Flächen und Flächen mit reichhaltiger Blütenvielfalt.
    -Es dürfen an einem Standort nur so viele Bienenvölker aufgestellt werden, dass die Versorgung eines jeden Volkes mit Pollen und Nektar gewährleistet ist
  • Futter zur Überwinterung:
    Honig des Stocks wird verwendet
    -Wenn das nicht möglich ist, müssen mindestens 10 Gewichtsprozent Honig zum ökologischem Zucker in die Zufütterung aus Kräutertee und Salz beigemischt werden
  • Die Bienenwohnung ist aus Naturmaterialien zu fertigen
    -Innenbehandlung darf nur mit Bienenwachs und Propolis aus Demeter-Bienenhaltung erfolgen.
    -Eine Außenbehandlung der Bienenwohnung nur mit Holzschutzmitteln aus natürlichen, ökologisch unbedenklichen, nicht chemisch-synthetischen Rohstoffen
    -Reinigung und Desinfektion ausschließlich mit Hitze und Wasser.
  • Schädlingsbekämpfung:
    Selbstheilungskräfte um gestörtes Gleichgewicht zu regulieren.
    -Wenn unabdingbar: Natürliche Heilmittel zur Schädlingsbekämpfung
  • Naturwabenbau
  • Die Königin kann sich im eigenen Volk frei bewegen
    -Sie lebt mit dem Volk, in dem sie geboren wurde.
    -Künstliche Königinnenzucht (Umlarven und ähnliches) ist nicht erlaubt.
    -Die instrumentelle Besamung und die Verwendung gentechnisch manipulierter Bienen sind verboten.
  • Die Vermehrung darf nur aus dem Schwarmtrieb heraus erfolgen
Konventionell:
  • Keine Einschränkungen bei der Aufstellung des Stocks
  • Futter zu Überwinterung:
    -Keine Richtlinien
    Alle Zuckerarten sind zugelassen
  • Das Baumaterial des Stocks ist oft Kunststoff, Pestizidanstriche sind erlaubt
  • Chemische Mittel zur Bekämpfung der Varroamilbe
  • Flügelschnitt zugelassen
  • Wenn das Bienenvolk in den Schwarmtrieb kommt, wird versucht, die entstandenen Königinnenzellen auszubrechen, und somit das Schlüpfen neuer Königinnen zu verhindern.

Wie erkennt man guten, ökologischen Honig?

Die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“ bedeutet, dass der Honig garantiert in Deutschland erzeugt wurde, und entspricht den höheren Qualitätsstandards, die der Verband vorgibt. 
Nur Honig, der von den Mitgliedern des Deutschen Imkerbundes produziert wurde, darf das Warenzeichen „Echter Deutscher Honig“ tragen.

Der deutsche Imkerbund überwacht ständig nach dem Stichproben- und Verdachtsprinzip die satzungsgemäße Nutzung seines Warenzeichens durch verbandseigene Kontrollen.

Quelle: Deutscher Imkerbund

Schauen wir uns die honigintensive Imkerei mal genauer an:

Bild: More than Honey

Im Ausland gibt es sogenannte „Honigfarmen„, wo hunderte oder gar tausende Magazine mit Bienen stehen. So ein Magazin ist mit bis zu 4 Stockwerken ausgestattet (was ich persönlich mit der Massentierhaltung gleichsetze).
Auf natürliche Materialien wird kein Wert gelegt. Kunststoff und Styropor wird bevorzugt.
Aufgefüttert wird mit Zuckerwasser. Das ist günstiger, macht die Bienen jedoch anfälliger für Schädlinge.

Um einen maximalen Ertrag zu erzielen, werden die Bienen bzw. der Bienenstock als Organismus, manipuliert und ausgebeutet.
Bienen wurde dafür unter anderem ein „Sammeleifer“ angezüchtet, Mittelwände und Behausungskonzepte werden im Stock eingesetzt, um den Ertrag zu steigern.

Bild: bienengärtnerin.at

Um die Königin am Ausschwärmen zu hindern (Ausschwärmen bedeutet eine Aufteilung des Bienenstocks mit der Geburt einer neuen Königin, man verhindert das Ausleben des normalen Fortpflanzungtriebs), ist das Beschneiden der Flügel, in der konventionellen Imkerei, Gang und Gebe. Dieser eigentlich natürliche Vorgang könnte zu einer geringeren Honigproduktion– und somit zu weniger Profit für den Imker bedeuten. Durch das Stutzen der Flügel ist die Königin, und somit alle „Bewohner“ des Bienenstocks, an ihr Zuhause gebunden.

Sobald das Bienenvolk in den beschriebenen Schwarmtrieb kommt, wird versucht, die entstandenen Königinnenzellen auszubrechen, und somit das Schlüpfen neuer Königinnen zu verhindern. Das Volk wird sozusagen kastriert.

Bienenköniginnen legen bis zu 2.000 Eier am Tag und können in der Natur bis zu 6 Jahre alt werden. In der Honigintensiven Imkerei werden sie jedoch nach etwa 1 Jahr getötet und durch eine neue, produktivere Königin ersetzt.

Jetzt kann man sich wohl schon denken, dass in solchen Honigfarmen nicht viel Zeit darauf verschwendet wird, vorsichtig mit den Bienen umzugehen. Das hat zur Folge, dass die kleinen Insekten zerquetscht-, ihre Flügel beschädigt-, oder ihre Beine abgetrennt werden. Natürlich stechen auch hier die Bienen zu, um sich zu verteidigen. Was darauf folgt, kennen wir.


Wie schon erwähnt, werden die Bienen auf Honigfarmen verletzt und sogar getötet. Wie ist das bei dir?

Das heutige Imkern wird immer sensibler und emotionaler. Man sieht das Tier an sich, und achtet darauf, die Biene nicht zu verletzen oder zu töten. Mit dem wissen, dass eine Biene stirbt wenn sie sticht, gehen die ganzen jungen Imker*innen sehr respektvoll mit ihnen um.
Natürlich passiert es auch mal, dass man aus versehen in eine Biene fasst und sie daraufhin sticht. Das passiert mir auch. Aber ich gebe mein Bestmögliches, um das zu verhindern!


Wie wird Honig geerntet?

Bild: Bienenbox

Das hat Mara mir erklärt:

Es gibt verschiedene Arten wie der Honig geerntet wird. Das kommt auch immer darauf an, was der Imker oder die Imkerin mit dem Bienenwachs machen möchte. Variante 1 wäre, dass der/die Imker*in die Waben, wo nur brutfreier Honig drin ist, nimmt und die Bienen mit einem Feger in den Brutraum abfegt. Ein Smoker erleichtert diese Arbeit.“

„Was ist überhaupt dieser Dampf, mit dem die Bienen benebelt werden?“

Das ist meist Papier oder Pappe und getrocknete Kräuter.
Das smoken ist wie „das Anklopfen vom Imker“. Der, die Imker*in verschiebt damit den Fokus der Bienen, woraufhin diese in so eine Stimmung von „jetzt passiert irgendwas“ kommen. Die Bienen machen sich dann die Mägen voll mit Honig, um ihr Volk zu schützen. Und während sie damit beschäftigt sind, nutzt der, die Imker*in eben die Zeit und arbeitet.
Im Fernsehen sieht man jedoch oft, dass das ganze Volk komplett zugenebelt wird, aber es reicht schon ein ganz kleiner Schub.

Bild: Bienenbox

Die Waben werden dann zu einer „Honig-Wachspampe“ zerkleinert und in ein Doppelsieb gefüllt, damit der Honig abtropft.
Der Rest von der abgetropfte Wachspampe wird dann den Bienen wieder in die Behausung gestellt, die machen den Wachs sauber, lecken den Rest vom Honig ab. Danach wird der saubere Wachs genommen und geschmolzen um daraus Kerzen oder Cremes zu machen.

Variante 2 wäre den Honig zu schleudern.
Man nimmt auch hier wieder die Waben, schleudert den Honig aus und gibt dann die leeren Waben mit dem alten Wachs den Bienen wieder. Die schlecken den restlichen Honig aus und tragen diesen zu der Brut.


Der Erntezeitraum liegt Ende Juni bis Mitte Juli, und es werden nur Honigwaben geerntet, die brutfrei sind.
Es gibt verschiedene Behausungen für die Bienen, und in manchen kann im Honigbereich keine Brut sein.

Neben dem Honig gibt es noch weitere Bienenprodukte
  • Pollen –  Die Stockbienen reichern sie mit Nektar und Speichel an und lagern ihn in Waben, um die Nachkömmlinge damit zu füttern.
  • Wachs – Das Wabenkonstrukt aus Wachs entsteht aus einer Zusammenarbeit vieler Arbeiterinnen. An ihrem Hinterleib auf der Bauchseite schwitzen diese feine Wachsplättchen aus. Ein Wachsplättchen wiegt etwa 0,8 Milligramm. Für 1kg Bienenwachs sind 1,25 Millionen Plättchen erforderlich.
  • Propolis –  Ein Gemisch aus Wachs, Pollen, ätherischen Ölen. Die klebrige Masse schützt das Bienenvolk vor dem Eindringen von Viren und Bakterien. Propolis hat eine nachgewiesene antibaketrielle, antivirale sowie antimykotischer Wirkung.
  • Geleé Royal – Ein Gemisch von Sekreten der Futtersaftdrüse und der Oberkieferdrüse der Arbeiterinnen. Es ist die einzige Nahrung für die Bienenkönigin während ihres Lebens. 1kg Geleé Royal kostet zwischen 100 und 130 Euro.

Das war jetzt die Art der konventionellen Imkerei. Wie sieht es aber mit der Qualität vom Honig aus?

Es gibt qualitativ enorme Unterschiede zwischen einem regionalen Honig aus einer Privatimkerei, und dem einer konventionellen Imkerei. Häufig wird Honig aus dem Supermarkt mit EU/Nicht-EU-Honig gekennzeichnet. Das bedeutet, dass es sich um ein Gemisch verschiedener Honigfarmen/Imkereien handeln kann (ähnlich wie bei der Milch aus dem Tetrapack), und durch lasche Richtlinien ist dieser Honig oft noch mit Zucker gestreckt.

Ist Honig gesünder als Zucker?

Nur bedingt. Honig besteht, wie konventioneller Zucker, größtenteils aus Saccharose. Daneben enthält er aber noch Vitamine und Mineralstoffe wie  Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen.

Obwohl Honig ein Naturprodukt ist, finden sich darin heute immer wieder gentechnisch veränderte Pflanzenbestandteile, Rückstände von Pestiziden und weitere Gift- und unerwünschte Inhaltsstoffe. Seine Qualität hängt stark von den Pflanzen und der landwirtschaftlichen Nutzung in der Umgebung der Bienenstöcke ab. Werden hier chemische Pflanzenschutzmittel versprüht, können die auch in den Honig gelangen. Auch winzige Plastikpartikel, wurden in der Vergangenheit gefunden.

Ist Honig vegan? Ein Mysterium, welches für Gesprächsstoff sorgt

Milch, Käse, Fleisch, Joghurt… Alles ne klare Kiste, und für vegan lebende Menschen ein No-Go!
Aber Honig? Honig ist irgendwie anders. Ein tierisches Produkt, bei dem die Meinungen auseinander gehen.

Aber um das Mysterium aufzudecken: Honig ist nicht vegan.
-Surprise.
Um das zu veranschaulichen, (und deutlich zu machen, wieso Honig in Vegankreisen als „Bienenkotze“ bezeichnet wird) möchte ich dir ganz grob erklären, wie die Biene überhaupt Honig produziert:

Wie macht die Biene Honig?

  1. Bienen sammeln mit ihren Rüsseln zuckerhaltigen Blütennektar und Honigtau (das ist ein süßer Saft von Nadeln und Blättern, den zuvor schon Läuse gesammelt und in Tröpfchen wieder ausgeschieden haben). Zum einen ernähren sich die Bienen davon, zum anderen sammeln sie beides als Vorrat im Bienenstock.
  2. Um daraus Honig zu machen, schluckt die Biene den Nektar und Honigtau hinunter, verdaut ihn teilweise, würgt ihn wieder hoch.
  3. Dann wird die Masse an eine weitere Stockbiene oral weitergeben und der Prozess beginnt von vorne.
  4. Im Honigmagen der Biene wird der Zucker im Nektar aufgespalten und der Wassergehalt von ca. 70% auf 20% reduziert.

Am Anfang habe ich davon gesprochen, dass man den Bienenstock als Organismus sehen muss, und er nur als Ganzes funktioniert. Unterstrichen wird diese Aussage dadurch, dass man nicht den Honig des einzelnen kleinen Bienchens nimmt (Das Zusammenspiel kennst du bereits), sondern den des ganzen Bienenstocks.
Eine Biene alleine funktioniert nicht.
(Anders als beispielsweise bei Kühen: Eine Kuh wird Zwangsgeschwängert, ihr Kälbchen wird ihr weggenommen, die Milch wird grob abgezapft usw. Das alles passiert mit der einzelnen Kuh).

Aber am Ende des Tages muss man sich eingestehen, dass die Bienen den ganzen Prozess nicht durchlaufen, um uns ein Honigbrot zu servieren, sondern um sich auf den Winter vorzubereiten und den Nachwuchs zu ernähren.


Mara, nehmen wir wirklich den Bienen ihren Honig weg, sodass sie einen Nachteil davon haben?

Im Frühjahr produziert ein gutgehaltenes Bienenvolk mehr Honig, als es verbrauchen kann. Das liegt vor allem daran, dass z.b der Raps in Monokulturen angebaut wird, das Nahrungsangebot also schier endlos ist.
Die Bienen sammeln so viel Nektar wie sie können, und hören nicht auf „Wenn sie genug haben“.

Deshalb kann man einen Teil des Honigs, also den Honigüberschuss, verwenden.

Ich ernte den Honig aber auch nicht nur für den Verkauf. Ich füttere meinen Bienenvölkern den kontrollierten Honig von meinen eigenen Bienen.
Es ist wichtig, niemals fremden Honig zu verfüttern, denn dadurch können schlimme Krankheiten übertragen werden. Diese tun uns Menschen zwar nichts, aber bei den Bienen löst sowas ganze Sperrgebiete aus.
Außerdem dürfen meine Bienen ihren Honig im ersten Jahr komplett behalten.

Ich gehe sehr liebevoll mit meinen Völkern um, und imkere nachhaltiger als jemand, der mit dem Verkauf von Bienenprodukten seinen Lebensunterhalt verdienen muss.

Mara und ihre Bienen

Durch die erwähnten Monokulturen steht den Honigbienen ein nur sehr einseitiges Nahrungsangebot zur verfügung, wodurch die Abwehrkräfte der Bienen stark sinken, und sie Anfälliger für Krankheiten werden. Außerdem bekommen viele Pestizide ab. Neonikotinoide bewirken zum Beispiel, dass die Bienen ihre Orientierung verlieren. Sie finden nicht mehr zum Stock zurück und sterben später.


Was kann jeder einzelne gutes für die Bienen tun?

Man sollte Nistplätze für wilde Bienen schaffen. Blumenwiesen helfen auch, aber da muss man immer genau schauen, welche Blumen da pflanzt. Nicht alle Bienen nehmen den Nektar von den selben Blumen.

Außerdem regionales Obst und Gemüse kaufen! Dadurch werden die Bauer*innen in der Region unterstützt, die die Umwelt pflegen und mehr als nur Monokulturen anpflanzen.
Wenn man selbst etwas anpflanzt, dann auf Pestizide und Gifte verzichten, und nur mit biologischem Dünger arbeiten.

Kräuter zu pflanzen ist auch wichtig! Salbei, Rosmarin, Lavendel, Thymian, Minze- und eben Wildblumen Wiesen.

Und die Imker*innen aus der Region unterstützen!🙂


Mein persönliches Statement

Ich habe in den letzten Tagen sehr viel über Honigbienen und das (ökologische) Imkern gelesen und gelernt. Die Fragen, ob Honig vegan ist, hat sich mir vor diesem Beitrag gar nicht gestellt.
Für mich war klar, dass er es nicht ist, aber mir ist immer ganz wichtig, nicht ausschließlich nur nach den „veganen-Regeln“ zu handeln, sondern den Blick zu heben und schauen was hinter einem Produkt, in diesem Fall Honig, steht.

Du wirst sicherlich auch wahrgenommen haben, was für eine enorme Arbeit das Produzieren von Honig für die kleinen Bienchen bedeutet (für 500g Honig müssen Arbeiterbienen rund 40.000 mal ausfliegen und legen dabei eine Flugstrecke von rund 120.000 km zurück. Als würde sie 3mal um die Erde fliegen). Auf keinen Fall möchte ich den Bienen dieses hart erarbeitete Gut wegnehmen, und sie auch nicht „für mich arbeiten lassen„.
Dazu kommt noch, das mir bei der Honigernte das Abfegen der Bienen irgendwie ein Dorn im Auge ist, und ich vom Einsatz des Smokers nicht gerade angetan bin. Einfach weil man die Bienen damit bewusst in einen Ausnahmezustand versetzt.

Jedoch habe ich im Laufe der Recherche immer mehr das Gefühl bekommen, dass die ökologische Imkerei ein geben und nehmen ist.
Der Imker gibt den Bienen eine Behausung, Futter wenn nötig und bringt sie durch den Winter. Im Gegenzug nimmt der Imker oder die Imkerin, mit größter Vorsicht, den Honigüberschuss aus dem Stock.
Vielleicht ist das ein doofer Vergleich, aber nehmen wir mal als Beispiel ein Pferd: Der Reiter und Besitzer gibt dem Pferd Futter, Bewegung, bringt es auf die Weide. Im Gegenzug trägt das Pferd den Reiter durch die Gegend, muss in der Gangart laufen, wie es dem Reiter gerade passt und muss vielleicht sogar noch zu Turnieren.

Außerdem habe ich für mich einen Unterschied feststellen können, ob etwas von einem einzelnen Tier– (wie die Milch einer Kuh) oder ein Endprodukt eines ganzen Organismus (ein kleiner Teil des Honigs von tausenden von Bienen) genommen wird.

Werden ich in Zukunft Honig konsumieren?

Jein. Also wie schon erwähnt, kann ich persönlich vom Gefühl her einen Unterschied von Honig zu anderen tierischen Produkten feststellen.
Honig war für mich auch nie negativ behaftete, eher im Gegenteil! Ich verbinde Honig mit meinem Opa, der sich für sein Leben gerne Honig aufs Brot schmiert.

Jedoch habe ich nicht wirklich oft das Verlangen nach Stulle mit Honig:D, und zum Süßen von Gerichten habe ich andere Alternativen.
Aber ich habe tatsächlich ein Glas Honig in meinem Schrank stehen, für welches ich 30 Minuten in die Pampa gefahren bin, um ihn von einer privaten, kleinen privaten Imkerei aus der Region zu holen.

Weiterhin kommen für mich aber z.b mit Honig gesüßte Cornflakes nicht in Frage, denn dieser Honig ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von irgendwo, von irgendwem. Auch in Kosmetik habe ich einfach nicht das Bedürfnis nach Bienenwachs oder ähnlichem.

Eine tolle Honigalternative ist der „Wonig“ von Vegablum. Den gibt es in zig verschiedenen Geschmäckern und besteht aus Pflanzen wie Ringelblumen oder Löwenzahn, und Rohrzucker.


So, das war jetzt der Beitrag zum Imkern, der ökologischen Imkerei und Honig. Eine weitere Frage stellt sich mir aber immer noch, jedoch würde das den Rahmen sprengen.

Und zwar: Wenn es keine Imkerei mehr geben würde, die Honigbiene verschwindet und die Natur nur noch von den Wildbienen bestäubt werden würde… Wäre das möglich? Könnte die Natur ohne menschliches Nachhelfen fortfahren? Oder kann dann die Nachfrage von Lebensmitteln nicht mehr gedeckt werden?


Mit diesen Fragen lasse ich dich einfach mal zurück, denn darum wird es im nächsten Beitrag gehen! Dafür Spreche ich mit einer Expertin vom NABU!

Noch eine Dokumentation zum Thema: „More than Honey

Vielen Dank fürs lesen!
Alles Liebe,
-Lou

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